Weihnachtsgeschichte in Gera vom Kopf auf die Füße gestellt

Gera.  Das zauberhafte Stück „Ox und Esel“ feierte am Samstag in der Regie von Karin Eppler im Puppentheater Gera umjubelte Premiere.

Puppentheater „Ox und Esel“ mit Marcella von Jan und Lys Schubert

Puppentheater „Ox und Esel“ mit Marcella von Jan und Lys Schubert

Foto: Ronny Ristok ronny.ristok@theater-altenburg-gera.de / Puppentheater Gera

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging ...“ So beginnt die Weihnachtsgeschichte, in der ein Kaiser vor mehr als 2000 Jahren zu einer Volkszählung aufruft und sein Stadthalter Herodes zum Mord an Neugeborenen, um König der Juden zu bleiben. Vor allem aber erzählt die Geschichte von Josef und seiner Frau Maria, die in einem Stall in Bethlehem das Jesuskind zur Welt bringt, auf dass es Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden für alle erschaffe.

Ein frommer Wunsch, der in der Weihnachtsgeschichte von Norbert Ebel (für Kinder ab fünf Jahre) natürlich auch eine Rolle spielt, aber eben auf ganz besondere Weise: Ebel lässt zwei Stalltiere zu Eltern werden. Das Puppenspiel „Ox und Esel“ feierte am Samstag in der Regie von Karin Eppler im Puppentheater Gera umjubelte Premiere und stellt die Weihnachtsgeschichte vom Kopf auf die Füße.

Jede Geste mit Können und Bedacht in Szene gesetzt

So liebevoll und eindringlich, so herzlich und zu Herzen gehend, dass es eine wahre Freude ist. Zauberhaft, einfach zauberhaft sind nicht nur die wunderbaren Gliederpuppen von Udo Schneeweiß (auch Bühne und Kostüme), die von Lys Schubert (Ox) und Marcella von Jan (Esel) geführt, gespielt und zum Leben erweckt werden. Zauberhaft ist auch die Atmosphäre, vom Sternenstaub zu Beginn bis hin zum Schlussbild, in dem die tierischen Eltern und das Menschlein friedlich vereint in der Krippe schlummern.

Dabei sieht es zunächst nach Eintracht und friedvoller Gemeinsamkeit nicht aus. Der Ox nämlich findet nach getaner Arbeit im Heu in der Krippe, mitten in seinem Abendmahl also, ein schreiendes Bündel, das ihm sofort den Appetit verdirbt. Weg soll es, so schnell wie möglich. Und der Esel soll es richten. Will er aber nicht, denn er hat Mitleid mit dem Findelkind, zumal er vermutet: „Es könnte das Jesuskind sein, ist doch die Zeit dafür.“ Aber als es an der Stalltür klopft und ein Soldat die Herausgabe des Babys fordert, vergessen Ox und Esel ihren Streit und stellen sich schützend vor den kleinen Wurm.

Marcella von Jan und Lys Schubert sind erfahrene, leidenschaftliche Puppenspielerinnen, die jeden Schritt, jede Geste, jedes Ohren- und Hörnerwackeln mit Können und Bedacht in Szene setzen. Sie verleihen nicht nur Ox und Esel ihre Stimmen, dem wimmernden, schreienden Baby dazu und hauen dem Soldaten eins auf die Nase. Sie werden vor allem wunderbar eins mit ihren Figuren und lassen mit Wortwitz und Situationskomik Zeit und Raum nahezu vergessen.

Es sind die einfachen Dinge im Leben, die schwer zu machen sind, erfahren die Tiere. Wo findet der Esel Milch für den Säugling, wie wickelt er das Baby, wenn die Milch aus dem plärrenden Wesen wieder ausläuft? Und warum schreit dieses Kind immer noch, wenn es doch satt und sauber in seiner Krippe schlafen sollte? Herrlich, wie sich Ox und Esel ins Zeug legen, damit der Winzling zur Ruhe kommt. Sie tanzen wild zu Weihnachtsliedern, hüpfen, springen und zappeln mit Armen und Beinen. Und plötzlich ist da ein leises, zufriedenes Lachen zu hören.

Die nächsten Vorstellungen: am Samstag, 7. Dezember, und Sonntag, 8. Dezember, jeweils 15 Uhr, am Mittwoch, 25. Dezember, und Donnerstag, 26. Dezember, jeweils 10 Uhr; Anmeldungen für Kindergruppen: 0365/8279102

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren