Berlin. Der Fall ähnelt einem Krimi. Am Anfang: ein Leichenfund. Die Polizei kommt 2.500 Jahre zu spät. Die Archäologen sind gefragt.

Dies ist eine Alltagsgeschichte, jedenfalls für Kriminologen. Noch genauer: für die Mordkommission. Eine Leiche wird gefunden und gemeldet, die Polizei auf den Plan gerufen. So what?

Inspektor Nikki Deehan schaut sich die Leiche an und wird stutzig. Einerseits ist sie relativ gut erhalten. Andererseits fragt er sich, ob sie wirklich das Ergebnis eines jüngeren Todesfalls ist. Sind die Überreste etwa uralt?

Bellaghy, Nordirland, ein Foto von den über 2.000 Jahre alten Knochen.
Bellaghy, Nordirland, ein Foto von den über 2.000 Jahre alten Knochen. © DPA Images | Police Service Of Northern Irela

Wir sind in Bellaghy am Louch Neagh, eine für Nordirland typische Moorlandschaft. An jenem Oktobertag 2023 steht Deehan vor einigen Knochen und trifft eine Entscheidung: Statt nach den regulären Forensikern ruft er nach einer Spezialeinheit, nach einem Leichenbergungsteam des Polizeidienstes, das von einem Beamten mit Erfahrung in der Feldarchäologie geleitet wird. Sie soll die Fundstelle in der Grafschaft Londonderry ausgraben und vorsorglich die Überreste analysieren.

Todeszeitpunkt: Vor 2.000 bis 2.500 Jahren

Eine Sensation nimmt ihren Lauf. Drei Monate später hat die Queen‘s University Belfast gerade das Ergebnis vorgelegt. Die Leiche ist alt, sehr alt sogar. Die Radiokarbondatierung zur Bestimmung des Todeszeitpunkts ergab: irgendwann vor 2.000 bis 2.500 Jahren. Eine archäologische Sensation, kein Fall für Inspektor Deehan. Für strafrechtliche Ermittlungen ist es zu spät.

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Um sicherzugehen, haben die Archäologen mit einem hochauflösenden Bodenradar nach weiteren menschlichen Überresten gesucht. Aber sie fanden nichts, was den Fund in Nordirland umso einzigartiger macht.

Die Knochen eines Teenagers

Die Überreste wurden etwa einen Meter unter der Landoberfläche entdeckt. Sie befanden sich inmitten einer Ansammlung fossiler Baumreste. Das deutet für den Forscher Alastair Ruffell von der Queen‘s University in Belfast darauf hin, dass die Leiche „in einem Wäldchen oder Baumbestand begraben oder angeschwemmt worden sein könnte.“

Weitere Untersuchungen ergaben noch mehr Knochen derselben Person, hier vom linken Unterarm, dort vom Oberschenkel, dazu ein Teil des Brustbeins, unter anderem Fingernägel – und Knochen. Ein forensischer Anthropologe kam bei den Untersuchungen zum Ergebnis, dass es bei der Person möglicherweise um einen Mann im Alter zwischen 13 und 17 Jahren handelte. Ein Teenager.