Ein neuer Kaiser und glückliche Thüringer beim GutsMuths-Rennsteiglauf

Schmiedefeld  Marc Schulze aus Dresden gewinnt beim ersten Rennsteiglauf-Start gleich den Supermarathon. Daniela Oemus (Blau-Weiß Bürgel) und Marcel Krieghoff (USV Erfurt) siegen zum ersten Mal beim Heimspiel.

Der GutsMuths-Rennsteiglauf hat so seine Tücken. Foto: Sascha Fromm

Der GutsMuths-Rennsteiglauf hat so seine Tücken. Foto: Sascha Fromm

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Der GutsMuths-Rennsteiglauf erlebte bereits seine 44. Auflage, für die Sieger aber hielt der größte Crosslauf-Europas ganz neue Glücksgefühle bereit. Marc Schulze als Triumphator beim Supermarathon war genauso wie Marathon-Gewinnerin Annika Krull überhaupt das erste Mal in Thüringen dabei.

Jubeln durften aber auch wieder die Gastgeber. Daniela Oemus aus Jena war dagegen schon zwei Mal den Halbmarathon gelaufen und jubelte nun als schnellste Frau auf dem 72,7 Kilometer langen Kanten von Eisenach nach Schmiedefeld. Marcel Krieghoff als Gewinner auf der Marathon-Strecke konnte sein Glück kaum fassen. „Ich habe das erste Mal beim Rennsteiglauf gewonnen. Das ist mein wertvollster Sieg“, sagte der Erfurter mit strahlendem Gesicht.

Ein paar Minuten zuvor war Marc Schulze als der neue Kaiser des Rennsteiglaufes auf dem Sportplatz von Schmiedefeld gefeiert worden. 72,7 knallharte Kilometer – gestartet auf dem Eisenacher Marktplatz im Morgengrauen – bewältigte der Sachse als schnellster Läufer und war dabei ganz und gar schneller als manch fleißiger Helfer. „An zwei Verpflegungsstationen gab es noch gar nichts zu trinken. Das war natürlich für den Kopf nicht so gut“, sagte der Dresdner, der erst seit 2014 seinen ersten Marathon bewältigte und als Wettkampf nun seinen ersten Ultralauf absolvierte.

Aber auch ohne Zwischenstopp an zwei Labestationen lief Schulze wie entfesselt, den Streckenrekord von Seriensieger Christian Seiler aber konnte er diesmal mit seiner Siegerzeit von 5:17:38 Stunden (noch) nicht brechen. Er gewann vor Eike Loch vom LAC Quelle Fürth (5:22:36), der im Vorjahr in Führung liegend mit Fußproblemen aufgeben musste.

Schulze wird vom ehemaligen DDR-Meister im 10 000-m-Lauf, Jens Karraß (47), trainiert und hatte sein Potenzial vor ein paar Wochen schon angedeutet, als er beim Oberelbe-Marathon in seiner Heimstadt triumphierte. „Das war eine gute Grundlage“, sagte Schulze, der nun seine Marathon-Bestzeit von 2:21 Stunden verbessern will. Dass aber der Rennsteiglauf-Sieg zur Krönung seiner sportlichen Laufbahn dazugehört, wusste Marc Schulze sofort. „Ich hatte vorher gehört, dass der Rennsteiglauf sehr hart sein soll. Das kann ich nur bestätigen“, sagte Schulze.

Dass der GutsMuths-Rennsteiglauf so seine Tücken hat, das wusste Marcel Krieghoff spätestens, seitdem er vor zwei Jahren fehlgeleitet wurde und damals auf der Marathonstrecke den möglichen Sieg einbüßte. Diesmal allerdings klappte in 2:36:45 Stunden alles perfekt, so dass Moritz Auf der Heide (2:41:54) aus München und Vereinskollege Christoph Weigel (2:42:32) das Nachsehen hatten.

Bei den Frauen war auf der klassischen Marathon-Distanz die ehemalige Dreispringerin Annika Krull hin und weg von der Stimmung an der Strecke. „Was da los war, das war der Hammer“, sagte die 28 Jahre alte Hamburgerin, deren Vater sie zu einem Start am Rennsteig überredet hatte. Mit Erfolg: „Ich komme auf jeden Fall wieder, das war super hier“, sagte die ehemalige Leichtathletin, die aus beruflichen Gründen den Leistungssport aufgeben musste und Läuferin wurde. „Ganz ohne Sport kann ich mir mein Leben nicht vorstellen“, sagte Krull, die bei Kilometer zwölf ihrem gestürzten Vater davongelaufen war. Im Ziel aber fielen sich beide glücklich in die Arme. Die Tochter als stolze Siegerin, der Vater war indes trotz des Sturzes ins Ziel gekommen. Krull siegte in 3:08:56 Stunden vor Kristin Hempel (3:15:50) vom USV Erfurt und der Jenaerin Bianca Josten (3:18:08).

Daniela Oemus von Blau-Weiß Bürgel indes jagt im Berufsleben als Assistenzärztin im Uniklinikum Jena über die Krankenhausflure, nun war beim Rennsteiglauf-Supermarathon ihr niemand gewachsen. „Das ist unglaublich. Man hat ja viele Träume, aber dass er am Rennsteig wahr wird, ist super“, sagte Oemus, die im Wettkampf zum ersten Mal überhaupt solch eine lange Distanz bewältigte. „Immer, wenn es bergauf ging, hat es richtig weh getan“, sagte die Jenaerin, die den Streckenrekord aus dem Jahre 2003 auf 5:55:38 Stunden verbesserte.

Zum Auftakt des 44. Rennsteiglaufes hatte Marcel Bräutigam vom Rennsteiglauf-Verein seine Favoritenrolle perfekt ausgefüllt und den 21,1 Kilometer langen Halbmarathon in 1:10:46 Stunden gewonnen. Bei besten Bedingungen hatte sich der Sportsoldat bereits bei Kilometer zwei abgesetzt. „Jetzt habe ich beim Rennsteiglauf schon vier Mal gewonnen. Das ist für mich eine große Freude“, sagte der 28-Jährige, der sich im Frühjahr ausgebrannt fühlte und eine Pause einlegte. „Es hat wieder Spaß gemacht. Darüber freue ich mich“, sagte Bräutigam, der nun beim Berlin-Marathon im September wieder angreifen will.

Schnellste Frau war Nicole Kruhme vom Rennsteiglaufverein. In 1:21:50 Stunden war sie eine halbe Minute vor der Marathonsiegerin des Vorjahres, Nora Kusterer aus Jena, im Ziel.

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