Silvester

Feuerwerk: Wie Eltern ihre Kinder vor den Gefahren schützen

Berlin.  Jedes Jahr verletzen sich Kinder beim Silvesterfeuerwerk teils schwer. Wo die größten Gefahren lauern und wie Eltern sie meiden können.

Böllern ans Silvester: Was man über Feuerwerk wissen muss

Raketen fliegen in die Luft und Böller explodieren. Feuerwerk gehört zu Silvester wie Geschenke zu Weihnachten. Doch woher kommt das Feuerwerk eigentlich?

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Feuerwerk übt auf Kinder eine Faszination aus. Jungs zwischen acht und 15 gelten bei Unfällen mit Silvesterknallern als Hochrisikogruppe.

Feuerwerk übt auf Kinder eine Faszination aus. Jungs zwischen acht und 15 gelten bei Unfällen mit Silvesterknallern als Hochrisikogruppe.

Foto: dpa Picture-Alliance / Silvia Marks / picture alliance / dpa Themendie

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Feuerwerk ist bunt, schillernd, laut. Es fasziniert die Menschen, ganz besonders Kinder und Jugendliche. Doch gerade sie sind sich dem Risiko nicht bewusst, das von den Knallkörpern ausgeht. Denn jedes Jahr passieren schlimme Unglücke, weiß die Feuerwehr und wissen auch Notfallmediziner, die sich um Brandverletzungen oder in schlimmen Fällen um Menschen mit abgesprengten Körperteilen kümmern. Doch Eltern können verhindern, dass die Knallerei für die Kinder zur Gefahr wird.

Feuerwerk: Was ist die größte Gefahr im Umgang damit?

Die größte Gefahr ist die Unterschätzung des Risikos, sagt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband und ehrenamtliche Feuerwehrfrau. „Jeder sollte sich bewusst machen, dass es hier um Sprengstoff geht.“ Natürlich, gerade für Jugendliche seien Feuerwerkskörper faszinierend, „manche versuchen sie auch nach einer Anleitung, die sie im Internet finden, nachzubauen“. Doch immer wieder endeten diese Experimente mit schwersten Verletzungen oder sogar tödlich.

„Gerade Jungs zwischen acht und 15 Jahren bilden bei Unfällen mit Raketen und Böllern die Hochrisikogruppe“, bestätigt Adelheid Gottwald, die Paulinchen, einer Initiative für brandverletzte Kinder, vorsitzt. Fatal sei, dass sich die Kinder und Jugendlichen der dramatischen Folgen für ihr ganzes Leben nicht bewusst seien.

Das erlebt auch Dr. Simon Kuepper. Der Oberarzt am Schwerbrandverletzten-Zentrum im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) hatte in den vergangenen Jahren in der Silvesternacht Bereitschaftsdienst. Er sagt: „Man kann sich die Fantasie gar nicht vorstellen, die manche im Umgang mit Feuerwerk an den Tag legen.“ Böller im Mund wie eine Zigarre, Böller in der Hosentasche, Knallkörper in der Hand.

„Wir und die Handchirurgen sehen in der Rettungsstelle Spreng- oder thermische Verletzungen an den Händen, aber auch am Oberschenkel, den Genitalien“, sagt Kuepper, „ebenso Brandverletzungen im Gesicht, an den Ohren, im Nacken – weil eine Silvesterrakete in einer Kapuze landet.“ Selbst Verletzungen durch Wunderkerzen seien möglich. Das bestätigt auch Feuerwehrfrau Darmstädter. Run aufs Silvesterfeuerwerk hat begonnen

„Die sind heiß, Funken sprühen, ein Anorak kann Feuer fangen.“ Sollte man Kindern also diesen Spaß verbieten? „Nein“, sagt Darmstädter, „aber auch hier gilt für Eltern: dabei sein und gucken.“ Die Initiative Paulinchen empfiehlt Knicklichter oder LED-Leuchtstäbe statt Wunderkerzen.

Wie können Eltern Verletzungen bei ihren Kindern vorbeugen?

Das Naheliegendste ist das Wichtigste: Kinder beim Feuerwerk niemals auch nur einen Moment aus den Augen lassen, sind sich die Experten einig. Das gelte übrigens auch für den Morgen danach, sagt Kuepper: „Viele Kinder machen sich am Neujahrsmorgen einen Spaß daraus, durch die Straßen zu ziehen und nicht explodierte Knallkörper zu sammeln. Das kann hochgefährlich sein.“

Solche Böller sind defekt oder explodieren beim erneuten Entzünden unkontrolliert. Und selbst wenn nicht, sind die Kinder dann unbeaufsichtigt. Kuepper rät Eltern: „Gehen Sie trotz Kater mit nach draußen.“

Um Verletzungen vorzubeugen, sollten Eltern ihre Vorbildfunktion wahrnehmen, sagt Darmstädter. Das bedeutet: Feuerwerk natürlich nur draußen zünden, auch Balkon oder Fenster sind tabu; Raketen und Co. nicht unter einem Vordach oder einem Baum stehend zünden; nur wenig, am besten nicht alkoholisiert sein; Raketen müssen einen festen Stand haben und dürfen nur senkrecht in den Himmel gestartet werden – „das Starten aus der Hand ist absolut tabu“, betont Darmstädter. So erkennen Sie, ob Silvester-Feuerwerk sicher ist.

Auch das gemeinsame Entzünden von Knallkörpern sei mit Vorsicht zu genießen, sagt Kuepper. Seiner Meinung nach hat alles mit Sprengkraft bei Kindern unter zehn Jahren nichts verloren – „auch nicht in Anwesenheit der Eltern.“ So könne sich das Kind zum Beispiel erschrecken und den Böller fallen lassen. Dieser könne dann zu nah am Körper oder der Kleidung explodieren. Auch Darmstädter rät vom gemeinsamen Entzünden ab. „Was man machen kann: Das Kind entzündet das Streichholz, die Eltern damit die Rakete.“

Die Initiative Paulinchen weist außerdem darauf hin, Böller niemals in die Hosentasche zu stecken – auch nicht unangezündet. Denn durch Reibung könnten sie sich entzünden. Auch Knallkörper, die zunächst nicht explodiert sind, sind ein häufiger Verletzungsgrund, weiß Kuepper. „Die Kinder gehen hinterher, beugen sich darüber, der Böller explodiert.“

Die Folgen können schwere Augen- oder auch Hautverletzungen sein, wenn etwa das Schwarzpulver durch die Explosion unter die Haut eingesprengt wird. Paulinchen rät, sich einem nicht explodierten Knallkörper 15 Minuten lang nicht zu nähern und ihn dann zum Beispiel in einen mit Wasser gefüllten Eimer zu legen, bevor er im Hausmüll entsorgt wird. Und: den Blindgänger auf keinen Fall ein zweites Mal zu entzünden.

Das Kind hat sich verbrannt – was tun?

Das Erste, was bei einer Brandverletzung zu tun ist: Die Stelle fünf bis zehn Minuten kühlen. Dabei sollte das Wasser handwarm sein, also nicht kälter als 20 Grad. „Kalt fühlt sich im ersten Moment besser an“, sagt Kuepper, „aber es besteht die Gefahr, dass Kinder unterkühlen.“

Ist es eine schlimmere Brandverletzung, sollten Eltern parallel den Notruf verständigen. „Vor allem wenn Hände, Genitalien, das Gesicht, der Kopf oder größere Regionen betroffen sind, sollten Eltern ihr Kind frühzeitig einem Notarzt, in einer Rettungsstelle oder direkt in einem Brandverletztenzentrum vorstellen“, sagt der Mediziner. Denn gerade Brandverletzungen neigten dazu, sich zu infizieren, wenn Sie nicht richtig behandelt werden.

Fangen Kleidungsstücke Feuer, müssen sie so schnell wie möglich gelöscht und ausgezogen werden. „Haben sich aber Textilteile in die Wunde gebrannt, sollte man sie nicht herauspulen“, sagt Silvia Darmstädter. Ihr Rat: Stattdessen eine saubere Bandage locker drauflegen und den Notruf unter 112 verständigen.

Und bei sehr schweren Verletzungen?

Es ist das Horrorszenario: Ein Kind sprengt sich einen Finger weg. „Dann gilt es zunächst, eine bestehende Blutung zu stoppen“, sagt Simon Kuepper. Dazu legt man ein möglichst sauberes Tuch auf und übt Druck aus, bis die Blutung steht.

Und wer kann, macht sich auf die Suche nach dem Körperteil, bewahrt es in einem sauberen Beutel oder einem Taschentuch auf und versucht, es möglichst kühl zu halten. „Dabei sollte es aber nicht in direkten Kontakt zum Eis oder Kühlakku kommen“, betont Kuepper.

Silvester-Feuerwerk – mehr zum Thema:

Die private Knallerei an Silvester ist vielen Deutschen gar nicht mehr genehm. Die Mehrheit sprach sich auch in diesem Jahr wieder für ein Böllerverbot in Innenstädten aus. Auch erste Händler ziehen bereits Konsequenzen. Hornbach stoppte den Verkauf von Feuerwerk, Lidl hingegen bietet sogar einen besonderen Service. Kein Spaß ist Feuerwerk für Haustiere: Wir haben Tipps zusammengetragen, wie sie trotzdem stressfrei durch die Silvesternacht kommen.

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