Leitartikel

Erinnerungen zulassen

Fabian Klaus

Fabian Klaus

Foto: Andreas Wetzel

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Was schreibt ein Autor, Geburtsjahr 1986, zu diesem historischen Tag? Vielleicht so etwas: Ich war drei Jahre alt und fand das klasse. Was überhaupt? Die Menschen, die am Straßenrand standen und den Trabi-Kolonnen zujubelten, die über die gerade geöffnete Grenze fuhren. Dieses Bild hat sich in meinem Kopf eingebrannt. Ob das am 9. November 1989 war oder einige Tage später oder erst zum 3. Oktober 1990? Ich kann es nicht sagen.

Was könnte man aus diesem Jubelbild ableiten? Unbändige Freude darüber, dass aus dem geteilten Land wieder ein Deutschland geworden ist. Herzliche Begegnungen mit Menschen, die einander vorher nicht gekannt haben, wurden möglich. Auch die Wiedersehensfreude mit Verwandten, die man zuvor kaum treffen konnte, weil die Mauer dazwischen stand, gehört zu dieser Ära.

Und heute? Wir leben in einer Zeit, in der die Frage, ob die DDR ein Unrechtsstaat war, noch immer nicht geklärt zu sein scheint. Immer wieder wird eine neue Debatte darüber geführt, ob den Menschen in der ehemaligen DDR generell Unrecht widerfahren. Ja, diese Menschen haben eine Diktatur erlebt. Zu viele authentische Geschichten und historische Unterlagen beweisen das eindeutig. Alles Leugnen dieser Tatsache führt nur zu noch mehr Verdruss und Zulauf für den rechten Rand. Wann klärt die SED-Nachfolgepartei endlich ihr Verhältnis zum DDR-Unrecht? Warum sitzt im neu gewählten Landtag mindestens ein ehemaliger Stasi-Spitzel?

Antworten darauf einzufordern ist das Recht der jungen Generation, die nicht in dieser Zeit gelebt hat. Denn nur sie ist es, die die Erinnerungen weitertragen kann in die nächste und übernächste Generation – damit die Freude über die Wiedervereinigung, aber auch die Erinnerung an das erlittene Unrecht niemals verloren gehen.

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