Akademie Ländlicher Raum: FDP bemängelt fehlendes Konzept

Franka Hitzing hat den 22. September des vergangenen Jahres noch bestens im Gedächtnis. Mit viel Brimborium und zahlreichen geladenen Gästen habe an diesem Tag die Eröffnungsveranstaltung der "Akademie Ländlicher Raum" stattgefunden, erinnert sich die Landwirtschaftspolitikerin der FDP-Landtagsfraktion.

Idylle mit Problemzonen: Der ländliche Raum in Thüringen muss für die Zukunft fit gemacht werden. Die zuständige Akademie habe aber bislang kein Konzept, bemängelt die FDP. Archiv-Foto: Peter Michaeli

Idylle mit Problemzonen: Der ländliche Raum in Thüringen muss für die Zukunft fit gemacht werden. Die zuständige Akademie habe aber bislang kein Konzept, bemängelt die FDP. Archiv-Foto: Peter Michaeli

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Erfurt. Die Akademie will eigenen Angaben zufolge die zahlreichen Akteure aus dem ländlichen Raum "an einen Tisch bringen". Alle, die sich im Bereich der Landentwicklung beruflich oder privat engagierten, fänden hier einen Ort des Kennenlernens und der Zusammenarbeit.

Hitzing hat nun bei der Landesregierung nachgefragt, wie es um die Umsetzung der guten Vorhaben und Ziele bestellt ist. Ihr Fazit fällt ernüchternd aus: Es fehle dieses Mal zwar nicht an finanzieller Ausstattung, aber dafür sei bis heute schlicht kein Konzept zu erkennen. Vom Engagement der Landwirte, von Kommunikation und Zusammenarbeit, die von Landwirtschaftsstaatssekretär Roland Richwien geschildert werden, lebe der ländliche Raum schon seit Jahrhunderten. Konkrete Aufgaben oder innovative Projekte seien aber trotz zahlreicher Ankündigungen bis heute nicht ausgearbeitet worden. "Man baut ja auch nicht einfach mal ein Haus, in der Hoffnung, es wird sich schon ein Bauteam finden und später auch einer einziehen", ätzt die Liberale. Kein Landwirt gründe eine Agrargenossenschaft, weil er lediglich annehme, dass es schon ein paar Aufgaben gebe. Er überlege und plane vielmehr lange im Vorfeld, berechne die Kosten und den Einsatz für den Ertrag. Das zuständige Ministerium denke offenbar anders. Dabei hätte man auch einfach bereits funktionierende Konzepte aus den Nachbarbundesländern übernehmen können, um zumindest eine arbeitsfähige Grundlage für die Umsetzung der notwendigen Schritte zu bieten, bedauert Hitzing.

BUND: Mobilität und Bio-Energie als Schwerpunkte

Der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Burkhard Vogel, der Mitglied im Akademiebeirat ist, hält die Kritik für unberechtigt. Das Gremium müsse zunächst einmal die Chance bekommen, arbeitsfähig zu werden, sagt er. Die Erwartungshaltung dürfe nicht überfrachtet werden.

Schwerpunkte in diesem Jahr seien unter anderem regenerative Energien und nachhaltige Mobilität. Bei der Akademie gehe es darum, alte Denkmuster zu überwinden, zu beraten und Initiativen anzustoßen. "Wir sind eine Art 'Think Tank'", so der BUND-Chef. Beim Thema Mobilität bedeute dies Lösungen zu finden, die nicht nur den "Straßenbaureflex" bedienten. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sagt Vogel: "Ich glaube nicht, dass alte Leute verstärkt Auto fahren." Trotzdem müssten sie in der Lage sein, am gesellschaftlichen Leben weiter teilzunehmen, auch wenn sie in abgelegeneren ländlichen Regionen leben. Diesbezüglich müsse sich die Akademie als Korrektiv der im Landesentwicklungsprogramm festgeschriebenen Szenarien verstehen. Es sei aber nicht Aufgabe der Akademie, fertige Konzepte zu liefern, so der Umweltlobbyist.

Die FDP sieht das anders. "Was wir im ländlichen Raum brauchen, sind keine vier bis fünf zentralen Veranstaltungen pro Jahr mit Impulsreferaten, sondern Vereinfachung und Beschleunigung der Verwaltungsvorgänge sowie eine Bündelung und optimale Vernetzung von bereits existierenden Initiativen", ist Franka Hitzing überzeugt. Sie könne sich gut vorstellen, dass es viele Projekte gebe, bei denen die vorhandenen Finanzmittel sofort nutzbringend eingesetzt werden könnten.