Berlin. CDU und FDP überraschen mit Ideen gegen die AfD, doch was wir brauchen ist eine gute und bürgernahe Politik – aber keine Feindbilder.

„Deine Rede sei glaubwürdig, deine Worte die üblichen“ war schon der kluge Rat des römischen Dichters Ovid an Liebende, die ihr Objekt der Begierde erreichen wollen. Man möchte diesen Rat heute an die Politik richten, die angesichts steigender Umfragewerte für die AfD ziemlich von der Rolle wirkt.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Beispiel Friedrich Merz: Der CDU-Chef entdeckt jetzt die Grünen als „Hauptgegner“, um den besorgniserregenden Zulauf zur AfD zu stoppen. Das ist im Prinzip eine gute Idee, aber leider hat der CDU-Chef eines nicht bedacht: Seine eigene Partei regiert mit den Grünen. In Hessen, in Schleswig-Holstein, sogar im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen. In Baden-Württemberg stützt die CDU als Juniorpartner geräuschlos mit Winfried Kretschmann den einzigen grünen Ministerpräsidenten.

Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion.
Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion. © Dirk Bruniecki

Gute, bürgernahe Politik statt politischen Feindbilder

Da liegt der Schluss nahe: Eine Haudraufstrategie auf den grünen „Hauptgegner“ ist für die Union vor diesem Hintergrund wenig glaubwürdig. Das wird argumentativ nach hinten losgehen. Beispiel Christian Lindner: Er sagt „im Notfall“ können man gegen Rechts auch die Linken wählen. Mancher verstand das als Wahlempfehlung. Der Hinweis war tatsächlich überraschend, wenn man Lindners Äußerungen über die Linke in Deutschland Revue passieren lässt.

Und glaubt der FDP-Chef ernsthaft, dass irgendjemand, der die AfD favorisiert, sich ausgerechnet von den Liberalen daran erinnern lässt, dass man auch links wählen kann? Nein, man wird die AfD nicht mit neuen politischen Feindbildern oder wahltaktischen Manövern politisch klein halten können. Es braucht gute, bürgernahe Politik, die das Leben der Menschen verbessert und glaubwürdig zur eigenen Haltung passt.