Pandemie

Coronavirus: Darum variieren die Zahlen der Infektionen

Berlin.  Viele Maßnahmen in der Coronakrise basieren auf Zahlen. Doch warum variieren diese manchmal? Ein Erklärungsversuch und Rechenbeispiel.

"Ich appelliere an Sie: Halten Sie sich an die Regeln!"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in einem eindringlichen Appell an die Deutschen gewandt. "Halten Sie sich an die Regeln", erklärte Merkel zu den Vorgaben zur Corona-Krise. Es sei "existenziell", das öffenltiche Leben herunterzufahren.

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Zahlen sind der Schlüssel zum Verständnis des Krisenmanagements in der Corona-Pandemie. Aber warum weichen sie teilweise voneinander ab? Eine Meldekette – und was daraus folgt.

Am Anfang der Erfassung einer Infizierung steht der Amtsarzt. Und der hat im Krisenmodus eine Priorität: Er muss sich um die Infizierten und um die Schutzmaßnahmen kümmern. Die elektronische Erfassung der Zahlen kommt im Zweifel später.

Manchmal kann es auch passieren, dass ein Labor schon einen Fall dem Gesundheitsamt gemeldet hat, dieser aber noch nicht elektronisch erfasst und weiter gemeldet wurde – erst an das jeweilige Landesgesundheitsministerium und von dort aus schließlich an das Robert-Koch-Institut (RKI).

Coronavirus: Das RKI zählt die elektronisch erfassten Fälle

Das RKI stellt erstens nur elektronisch übermittelte Fälle dar und aktualisiert seine Statistik zweitens nur zu bestimmten Zeitpunkten auf seiner Homepage – etwa morgens um 10.30 Uhr.

Schon deswegen und aufgrund des Meldeverzugs zwischen dem Bekanntwerden von Fällen vor Ort und der Übermittlung an das RKI „kann es Abweichungen zu den zum Beispiel von den Bundesländern aktuell herausgegebenen Zahlen geben“, wie das Institut auf seiner Homepage erklärt.

Einige Institutionen und Medien informieren sich direkt bei den jeweiligen Bundesländern. So kommt es vor, dass sich die Statistiken unterscheiden. Im Laufe der Zeit passen sie sich dann an.

Coronavirus: Das ist die wichtigste Zahl in der Pandemie-Bekämpfung

Der Schlüssel zum Verständnis aller Notmaßnahmen lautet: 70 Prozent. So weit könnte die Verbreitung der Infizierungen in der Gesellschaft theoretisch voranschreiten, so lange gegen Covid-19 keine Impfungen und Therapien existieren und wenn die Bevölkerung sich nicht an die Maßnahmen halten sollte.

Deutschland hat 82,7 Millionen Einwohner. Rein rechnerisch ist es gut möglich, dass gut 56 Millionen Bürger infiziert werden. Wenn man die Erfahrungen aus China in diese Rechnung mit einbezieht, nach denen nur jeder sechste Fall einen schweren Verlauf nimmt, dann würden möglicherweise immer noch über neun Millionen Menschen im Krankenhaus landen.

Könnte das Coronavirus wirklich 278.000 Todesopfer fordern?

Bei der Sterberate von 0,5 Prozent wäre „mit 278.000 Corona-Todesopfern zu rechnen“, rechnet der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, vor. Der Grund, warum das RKI zuletzt die Gefahr in Deutschland als „hoch“ eingestuft hat, ist aber das Tempo. Hält die exponentielle Verbreitung des Virus an, wäre die Belastungsgrenze des Gesundheitssystems absehbar erreicht.

Ein knappes Gut sind die Beatmungsgeräte, die bei schweren Verläufen von Covid-19 häufig gebraucht werden. Von ihnen gibt es eins für jedes Bett auf den Intensivstationen, insgesamt etwa 28.000 in Deutschland.

Es gilt, die Geschwindigkeit der Verbreitung zu drosseln. Zur Erinnerung: Am 27. Januar wurde die erste Infizierung mit dem Coronavirus in Deutschland gemeldet, am 1. März waren es 117 und gut zwei Wochen später, am Mittwoch, bereits über 10.000. Es ist das Tempo, das der Politik drastische Maßnahmen diktiert.

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