Erfurts Multifunktionsarena wird später gebaut

Geld geht nach Auskunft der Erfurter Wirtschaftsbeigeordneten keines verloren, doch der Baustart der Multifunktionsarena als Ersatz für das marode Steigerwaldstadion wird sich "um einige Monate verzögern", kündigte Kathrin Hoyer gestern an.

Jubelndes Publikum, wie hier beim Konzert von Herbert Grönemeyer 2006 im Steigerwaldstadion, soll es auch bei Open-Air-Konzerten in der Multifunktionsarena geben - allerdings später als ursprünglich geplant. Foto: Peter Michaelis

Jubelndes Publikum, wie hier beim Konzert von Herbert Grönemeyer 2006 im Steigerwaldstadion, soll es auch bei Open-Air-Konzerten in der Multifunktionsarena geben - allerdings später als ursprünglich geplant. Foto: Peter Michaelis

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Erfurt. Sie warb um Verständnis dafür: "Ein solch großes Projekt ist Neuland für alle Beteiligten, wir stecken in einem ständigen Lernprozess."

Bei diesem "großen Brocken", für Thüringen bislang beispiellos, müsse es um Qualität gehen, begründete sie den Schritt, den bereits laufenden Teilnahmewettbewerb zum Umbau gestoppt zu haben.

Die Opposition frohlockt derweil: Die CDU hatte im Stadtrat eine ausführlichere Diskussion über den Bebauungsplan und das Gesamtvorhaben gefordert, war damit aber abgeschmettert worden. Nun zeige sich, dass die Eile unangebracht sei und zu Fehlern führe, moniert CDU-Stadtrat Jörg Kallenbach: Die Wirtschaftsbeigeordnete habe das Verfahren nicht im Griff.

Gründe für einen Neustart des Teilnahmewettbewerbs benannte Hoyer gleich mehrere: Das Thüringer Wirtschaftsministerium als Fördermittelgeber hatte Bedenken zu der 18-seitigen Veröffentlichung des Wettbewerbs im EU-Amtsblatt angemeldet. Zu vage seien die Formulierungen darin, zu unterschiedlich auslegbar, daher ein Neustart erforderlich. Bis Mitte August soll dieser erfolgen - mit dann abgestimmten Formulierungen, die weniger Platz für Interpretationen lassen sollen.

Was ist eine "Veranstaltungsstätte?" Dieser Begriff sei in der Veröffentlichung verwendet worden, sagt Hoyer. Er ließe Raum für Deutungen und rief so - neben anderen Punkten - die Kritik des Ministeriums hervor, benennt Hoyer ein Beispiel. Nun säßen alle Beteiligten über treffenderen Formulierungen, solle sich ein Bezug zur "Musterveranstaltungsstättenordnung" im Text wiederfinden und so Kritik ausgeräumt werden.

Neustart "relativ konfliktfrei"

Hinzu komme, dass der Stadtrat mit dem Bebauungsplanbeschluss am 3. Juli - als die Ausschreibung schon veröffentlicht war - dem Vorhaben noch Bedingungen mit auf den Weg gegeben habe: CO2-neutral solle der Bau der Mulitifunktionsarena geschehen und ökologisch zertifiziert. "Diese beiden Punkte waren einer Mehrheit im Stadtrat sehr wichtig, sodass sie noch in den Text eingearbeitet werden sollen", kündigte Hoyer an.

Der ursprüngliche Zeitplan für die Multifunktionsarena ist längst gesprengt: Als die Pläne reiften, mit EU-Mitteln zur Infrastrukturförderung das Vorhaben zu realisieren, war von einer Übergabe des Vorhabens an einen Generalübernehmer zum 1. Juli 2013 die Rede gewesen. In die Quere kam die Vorabprüfung des Vorhabens durch die EU, die zwar letztlich dem Projekt grünes Licht gab, jedoch die Übergabe des Fördermittelantrags erst im März dieses Jahres erlaubte. Eine Baugenehmigung erwartet die Wirtschaftsbeigeordnete frühestens "im August 2014".

Dass die Bekanntmachung gestoppt wurde und neu erfolgen soll, ist laut Hoyer "relativ konfliktfrei". Alle bisherigen Bieter seien angeschrieben und aufgefordert worden, ihre Referenzen - und um mehr sei es in diesem ersten Schritt nicht gegangen - erneut einzureichen. Ein Schaden sei daraus nicht entstanden.

Sogar einen Vorteil für den Zeitverzug will die Wirtschaftsbeigeordnete entdeckt haben: Nun könne die Betreibung der künftig auch für Tagungen, Kongresse und Großveranstaltungen nutzbaren Arena parallel ausgeschrieben werden. Der künftige Betreiber erhalte so die Chance, an der Vergabe der Bauleistungen mitzuwirken. So könne eine größere Sicherheit erreicht werden, dass das Projekt auch die an die Förderung geknüpften Anforderungen einer touristischen Nutzung erfüllt werden.

Mit 5,8 Millionen Euro als Eigenanteil löst die Stadt eine Förderung in Höhe von 30 Millionen Euro für den Stadionumbau aus. Für 25 Jahre müssen mehr als die Hälfte der erwarteten 260.000 Besucher Touristen sein. Wobei Touristen per Definition Besucher sind, die mindestens 30 Kilometer von Erfurt entfernt wohnen. Die EU-Mittel stehen zweckgebunden nur für die touristische Infrastruktur zur Verfügung - können also nicht, wie Kritiker des Öfteren verlangen, für Kindergärten oder Schulen investiert werden.

Stadtrat soll ins Boot zurück

In Richtung Stadtrat sei das Verfahren bislang nicht optimal gelaufen, sagte Hoyer. Der Zeitdruck, der von der Stadtverwaltung auferlegt wurde, sei an die Sorge geknüpft gewesen, Fördermittel könnten nicht gänzlich innerhalb des Zeitrahmens abgerufen werden. In der kommenden Woche nun will die Verwaltung einen Schritt auf die Fraktionen zugehen: In einem Arbeitsgespräch sollen die Stadträte ihrerseits äußern, wie sie eine Einbindung ins Verfahren wollen, während die Stadtverwaltung aufzeigen will, wo dies überhaupt möglich ist.

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Multifunktionsarena in Erfurt: Wie die Lupe bei Asterix

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