Proteste gegen Durchsuchung der Wohnung von Jenaer Jugendpfarrer

Im Zusammenhang mit Ausschreitungen wegen eines Neonazi-Aufmarsches am 19. Februar in Dresden haben sächsische Polizisten die Räume der Jungen Gemeinde Jena und des Jugendpfarrers Lothar König durchsucht. Der Pfarrer hat auf die Vorwürfe mit Unverständnis reagiert. 500 Demonstranten protestieren gegen die Hausdurchsuchung.

Im Zusammenhang mit Ausschreitungen wegen eines Neonazi-Aufmarsches am 19. Februar in Dresden haben sächsische Polizisten die Räume der Jungen Gemeinde Jena und des Jugendpfarrers Lothar König durchsucht. Foto: Frank Döbert

Im Zusammenhang mit Ausschreitungen wegen eines Neonazi-Aufmarsches am 19. Februar in Dresden haben sächsische Polizisten die Räume der Jungen Gemeinde Jena und des Jugendpfarrers Lothar König durchsucht. Foto: Frank Döbert

Foto: zgt

Jena/Dresden. Im Hinterhof der Johannisstraße 14 in Jena herrscht hektisches Treiben. Sozialarbeiter Kai Gottschalk bereitet die Lautsprecheranlage der Jungen Gemeinde vor, vier junge Leute arbeiten an einem rund fünf Meter langen Transparent. "Unsere Solidarität gegen ihre Repression" prangt in großen Lettern auf orangefarbenem Hintergrund. Die Zeit drängt, denn in nur einer Stunde beginnt die spontan anberaumte Demonstration gegen die Hausdurchsuchung bei Pfarrer Lothar König.

Kurz nach 6.00 Uhr morgens sei das Einsatzkommando der sächsischen Polizei angerückt, erinnert sich der Student Matthias Quemt, der für Königs Tochter Katharina arbeitet, die für die Linken im Landtag sitzt. Als der Einsatz bekannt wurde, sei er sofort als Zeuge in die Johannisstraße gekommen. Rund zwanzig Polizisten hätten die Wohnung gestürmt, während zusätzliche Kräfte in den Seitenstraßen und am Lautsprecherwagen der Jungen Gemeinde die Stellung hielten. Neben zahlreichen Unterlagen hätten die Polizisten auch das Fahrzeug konfisziert und nach Dresden gebracht.

Gegen den Pfarrer wird nach den Protesten gegen einen geplanten Neonazi-Aufmarsch im Februar in Dresden wegen aufwieglerischen Landfriedensbruchs ermittelt. "Das ist totaler Unsinn. Lothar ist zwar definitiv politisch sehr engagiert. Er ist aber niemand, der zu Straßenschlachten oder Gewalt gegen die Polizei aufrufen würde", sagt Quemt. Auch Gottschalk von der Jungen Gemeinde kann die Aufregung um Pfarrer König nicht verstehen. "Lothar König hat auf allen Demos immer deeskalierend gewirkt."

Staatsanwaltschaft Dresden will König anklagen

Die Ermittler sehen das anders: Nach Auffassung der Dresdner Staatsanwaltschaft rief er Demonstranten von einem Lautsprecherwagen aus zur Gewalt gegen Polizisten auf. Der Pfarrer soll außerdem versucht haben, ein Einsatzfahrzeug der Polizei abzudrängen. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, den 56-Jährigen anzuklagen.

König wies die Vorwürfe zurück. Ohne seinen Einsatz habe vielmehr eine Eskalation der Lage in Dresden gedroht, sagt er. Zudem sei die von ihm angemeldete Spontandemonstration von den anwesenden Polizisten genehmigt worden. Der Pfarrer, der am Mittwoch noch in Urlaub war, war am Morgen über den Einsazt informiert worden.

"Ich finde die Vorwürfe unglaublich", sagte seine Tochter. Ihr Vater lasse sich aber nicht einschüchtern. Vor vier Wochen habe er erfahren, dass gegen ihn wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt werde. Er habe daher mit einer Razzia gerechnet. Die Polizei habe es nicht interessiert, dass es sich um Pfarrräume handelt. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland kritisierte das Vorgehen der Polizei. Politiker von SPD, Linken und Grünen reagierten empört.

Jenaer Oberbürgermeister "steht neben Lothar König"

Protest gegen Durchsuchung bei Pfarrer König in Jena

Zu der spontanen Kundgebung versammeln sich am Abend rund 500 Menschen vor dem Gebäude der Jungen Gemeinde. Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) sagte, König sei nicht immer bequem, er habe aber nie erlebt, dass er die Jugend zur Gewalt angestachelt habe. Der Pfarrer spiele eine wichtige Rolle in Jena. "Ich stehe neben Lothar König", betont Schröter. Die Razzia sei ein Versuch, Demonstranten einzuschüchtern. In einer von Katharina König am Abend verlesenden Erklärung heißt es, wer Proteste gegen Neonazis organisiere, laufe Gefahr, als "ein Krimineller und Hetzer" abgestempelt zu werden.

Lothar König spricht von einem "sächsischen Sommertheater". Zugleich dankte der den Protestlern am Abend. Es gehe nicht um "eine einzelne Person", sondern um das "Grundverständnis einer freiheitlichen Gesellschaft".

Zu den Kommentaren