„Unfassbare Ignoranz“ - Thüringer Lehrervertreter enttäuscht von Corona-Beschlüssen

Erfurt.  Thüringens Lehrervertreter zeigen sich enttäuscht von den Corona-Beschlüssen und setzten weiter auf geteilte Klassen.

Der Schulbetrieb steht während der Corona-Krise vor großen Herausforderungen. (Symbolbild)

Der Schulbetrieb steht während der Corona-Krise vor großen Herausforderungen. (Symbolbild)

Foto: Britta Pedersen / dpa

Thüringens Lehrervertreter zeigen sich enttäuscht von den Ergebnissen der jüngsten Corona-Beschlüssen der Ministerpräsidenten-Runde. Der Gesundheitsschutz im Schulbereich liege weiterhin hinter den Regelungen in anderen Bereichen zurück, kritisiert die Bildungsgewerkschaft GEW. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Man stehe hinter dem Postulat, Schulen möglichst geöffnet zu halten, doch die Frage sei, unter welchen Bedingungen, so Sprecher Michael Kummer. Seit Wochen fordere die Gewerkschaft ein klares Konzept für den Wechselunterricht mit geteilten Klassen, damit Mindestabstände besser eingehalten werden können. Die Räume seien vorhanden, es müsse nur konsequent gewollt sein. Das gelte auch für die Entzerrung des Schülerverkehrs, was sicher eine organisatorischer Herausforderung darstelle, aber prinzipiell machbar sei. Kritisiert wird das Hochstufen der Sieben-Tage-Inzidenz von 50 auf 200 Infektionen pro 100.000 Einwohner, das sei klar gegen die Empfehlungen des Robert Koch Instituts.

Erweiterter Lockdown: Verband lehnt längere Weihnachtsferien ab

Enttäuscht ist man auch darüber, dass Thüringen bei den vorgezogenen Weihnachtsferien offenbar ausschert, man müsse jetzt jede Möglichkeit nutzen, um die Infektionsrisiken klein zu halten.

Auch Thüringens Lehrerverband (TLV) geht hart mit den Regelungen ins Gericht, Verbandschef Rolf Busch spricht mit Blick auf die Weihnachtsferien von einer „unfassbaren Ignoranz“. In einer Umfrage des TLV hätten sich mehr als 80 Prozent der Pädagogen dafür ausgesprochen. Die nach wie vor bestehende Möglichkeit, Schulen im Grün-Bereich arbeiten zu lassen, nennt er „unverantwortlich“. Auch der Lehrerverband wiederholt seine Forderung nach einem konsequenten Wechselmodell mit geteilten Klassen. Es sei klar, dass nicht in allen Familien dafür optimale Voraussetzungen herrschen, doch eine Lösung, die allen Bedürfnissen gerecht werde, gebe es zur Stunde nicht.