Massaker

Nach Massaker – Warum Trump in El Paso unerwünscht ist

Washington/El Paso.  US-Präsident Donald Trump besucht nach den Massakern in Dayton und El Paso die Orte. In Texas war er allerdings bei vielen unerwünscht.

Auswärtiges Amt: Ein deutsches Todesopfer in El Paso

Nach den jüngsten Massakern in den USA hatte US-Präsident Donald Trump zur Ablehnung von Rassismus und Fanatismus aufgerufen.

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US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania.

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania.

Foto: YURI GRIPAS / Reuters

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„Wir brauchen nicht noch mehr Spaltung. Wir müssen verheilen. Er hat keinen Platz hier.“ Die Sätze, die Beto O’Rourke wütend in seinen Twitter-Beitrag gehämmert hat, sprechen Bände für die Zerrüttung, die Amerika gerade erlebt.

Der schlaksige Demokrat, einer von 20 Kandidaten für die Wahl 2020, will nicht, dass Donald Trump an diesem Mittwoch in seine Stadt kommt. Nach El Paso, Texas. Dorthin, wo ein rassistisch motivierter Einzeltäter aus Hass auf hispanische Einwanderer 22 Menschen in einem Kaufhaus erschossen und weitere 30 verletzt hat.

El-Paso-Massaker: Verdächtiger soll Trump-Rhetorik übernommen haben

Weil der mutmaßliche Täter Patrick C. (21) in einem im Internet lancierten Bekennerschreiben, das ihm zugeschrieben wird, Versatzstücke von Trumps Anti-Einwanderungs-Rhetorik übernommen hat, allen voran den Begriff der „Invasion“, sehen Beto O’Rourke und mit ihm viele Einwohner der Nachbarstadt von Ciudad Juárez (Mexiko) so etwas wie eine geistige Mittäterschaft bei Trump.

„Wir waren in Sicherheit, bevor er angefangen hat zu reden“, sagte John Smith-Davis, ein pensionierter Soldat, der in El Paso lebt, vor Reportern, „er hat uns mit seiner hasserfüllten Rhetorik zur Zielscheibe gemacht.“ Smith-Davis meint die vielen Reden, in denen Trump seit 2015 Einwanderer und Flüchtlinge aus Latein-Amerika pauschalisierend als Vergewaltiger, Gangmitglieder und Drogenhändler titulierte.

Trump plant offenbar Besuch in El Paso

Trump ficht solche Kritik nicht an. Er wird, wie das Weiße Haus die Flugsicherheitsbehörden hat wissen lassen, am Mittwoch aller Voraussicht nach nach Texas fliegen. Schon im vergangenen Herbst, nach der Bluttat des Juden-und-Muslime-Hassers Robert Bowers in der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh (elf Tote) erklärte die jüdische Gemeinde vor Ort den Präsidenten für unerwünscht. Sie sah den weißen Todesschützen durch Trumps Gerede von einer tödlichen Gefahr für Amerika, die angeblich von Muslimen ausgehen, inspiriert.

Trump versuchte sich trotzdem in der schwersten Rolle, die das Amt vorsieht – die des „Consoler-in-Chief“, des Chef-Trösters – und stattete dem Unglücksort mit Frau, Tochter und Schwiegersohn einen für die Medien weithin abgeschirmten Besuch ab.

Ähnlich soll es dem Vernehmen nach am Mittwoch sein, wenn Trump das Del Sol Medical Center oder das Universitätsklinikum von El Paso besuchen sollte. Dort werden jene behandelt, die die Gewaltorgie überlebt haben. 22 Menschen hatte der Täter in El Paso erschossen, ein Deutscher ist unter den Todesopfern.

Kritiker werfen Trump nach El-Paso-Massaker Lippenbekenntnisse vor

Nach Erkenntnissen der Lokalzeitung „El Paso Times“ muss sich der Präsident im kleinen Kreis voraussichtlich Kritik gefallen lassen. Seine in einer kurzen Rede am Montag vorgestellten Rezepte – Todesstrafe für Massenmörder, Verbot von Gewalt-Videospielen, Frühwarnsystem gegen psychisch kranke Waffenbesitzer etc. – wurden in US-Medien als „unzureichend“ bis „unbrauchbar“ bezeichnet.

Kommentar: Donald Trump hat eine Mitverantwortung an den Massakern

Dass Trump „finsteren Ideologien“ den Kampf erklärte, aber an keiner Stelle ausführte, was konkret etwa gegen die Größenwahnslehre von der Vorherrschaft der weißen Rasse zu tun ist, hat in El Paso nach Meinung der demokratischen Kongress-Abgeordneten Verónica Escobar den Eindruck bestärkt, dass Trump „nicht mehr als Lippenbekenntnisse hat“.

Belege dafür? Trumps Wahlkampagne für 2020 schaltet regelmäßig Facebook-Anzeigen zur Bewerbung des Baus einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, die so anfangen: „Wir haben eine Invasion.“ Jener Begriff also, mit dem Patrick C. bewusst hantiert haben soll, um seinen Gewaltakt zu rechtfertigen.

So harsch kritisiert Barack Obama Donald Trump

Während Trump die heikle Verbindung meidet, hat sich – ohne auch nur einmal Trumps Namen zu erwähnen – Vorgänger Barack Obama mit einer viel beachteten Anmerkung zu Wort gemeldet, deren Adressat gleichwohl klar war. „Wir müssen eine Sprache gründlich ablehnen, die aus den Mündern unserer Anführer kommt und ein Klima aus Angst und Hass schürt oder rassistische Vorurteile normalisiert“, schrieb der 58-Jährige in sozialen Medien.

Tweet Obama El Paso

Obama kritisierte scharf Politiker, die „jene dämonisieren, die nicht wie wir aussehen, oder suggerieren, dass andere Menschen, darunter Einwanderer, unseren Lebensstil bedrohen, oder andere Menschen als Untermenschen bezeichnen oder andeuten, dass Amerika nur einer bestimmten Art Menschen gehört“.

Trump reiste vor seinem Besuch in El Paso zunächst nach Dayton, wo ein Schütze in der Nacht zum Sonntag neun Menschen getötet hatte. In der Stadt in Ohio trafen sich der Präsident und First Lady Melania in einem Krankenhaus mit Patienten, wie Sprecherin Stephanie Grisham mitteilte.

Die beiden bedankten sich demnach auch bei dem medizinischen Personal. In der Stadt hatten sich Demonstranten versammelt, wie auf Fernsehaufnahmen zu sehen war. Auf Schildern forderten sie etwa eine Verschärfung der Waffengesetze. Außerdem hatten sie einen aufblasbaren Baby-Trump bei sich.

Obama verurteilt Klima des Hasses

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