Handball

Deutschland feiert besten WM-Start seit 63 Jahren

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Gizeh  Der Aufgalopp gegen Uruguay fordert die deutschen Handballer kaum. Der nächste Gegner stellt eine ganz andere Herausforderung dar.

Deutschlands Handballer um Julius Kühn (M) feierten zum WM-Auftakt einen souveränen Sieg gegen Uruguay.

Deutschlands Handballer um Julius Kühn (M) feierten zum WM-Auftakt einen souveränen Sieg gegen Uruguay.

Foto: Sascha Klahn / dpa

Der deutlichste WM-Start seit 63 Jahren zauberte selbst Alfred Gislason ein Lachen ins Gesicht. Nach dem 43:14 (16:4) gegen den krassen Außenseiter Uruguay klatschte der Bundestrainer der deutschen Handballer seine Spieler hochzufrieden ab, bei seinem WM-Debüt als DHB-Trainer setzte er mit seiner neu formierten Mannschaft gleich ein kleines Ausrufezeichen.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung. Es war sehr gut, dass die Jungs bis zum Ende durchgezogen haben“, lobte der Coach nach dem souveränen Sieg im ersten Vorrundenspiel, durch den die DHB-Auswahl beim umstrittenen Mega-Turnier in Ägypten bereits einen großen Schritt in Richtung Hauptrunde machte.

Rechtsaußen Timo Kastening war beim Geisterspiel in der Hassan-Moustafa-Halle in Gizeh mit neun Toren der beste Werfer für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). „Es war wichtig, in das Turnier reinzukommen und den Schwung mitzunehmen“, sagte Kastening.

Handball-WM: Kap Verde Corona-gebeutelt

Im zweiten Spiel am Sonntag (18.00 Uhr/ARD) gegen Kap Verde kann Deutschland den Einzug in die nächste Turnierphase perfektmachen. Das unter dem Eindruck von Corona-Fällen stehende Spiel gegen den WM-Neuling löst beim deutschen Team aber keine Vorfreude aus. „Das ist eine ungenügende Situation. Wir hoffen immer noch, dass das Spiel vielleicht nicht stattfindet, weil wir uns nicht wohlfühlen im Moment“, sagte Keeper Johannes Bitter.

In der Mannschaft des Inselstaates waren nach der Ankunft am Donnerstag vier Spieler positiv auf Corona getestet worden. Eine weitere Testreihe am Freitag ergab jedoch ausschließlich negative Befunde, sodass Kap Verde wie geplant am Turnier teilnehmen darf. Der dritte DHB-Vorrundengegner am Dienstag ist Ungarn.

Der Sieg der umgebauten deutschen Auswahl gegen Uruguay geriet wie erwartet nie in Gefahr. Allerdings ließ die Chancenverwertung im ersten Abschnitt zu wünschen übrig. Julius Kühn zählte im Rückraum zu den stärksten Akteuren, nach der Pause drehte Kastening auf. Defensiv machte die Deckung um Johannes Golla und Sebastian Firnhaber einen sicheren Eindruck, Ex-HSV-Torwart Bitter glänzte im Tor.

Gensheimer steigt zum deutschen WM-Rekordtorjäger auf

Das DHB-Team spielte sich schnell einen komfortablen Vorsprung heraus. Fehlpässe des Außenseiters resultierten praktisch immer aus deutschen Kontersituationen.

So war es ein Höhepunkt aus Sicht Uruguays, als DHB-Kapitän Uwe Gensheimer in der 6. Minute bei einem Siebenmeter an Schlussmann Felipe González scheiterte. Zwar wurde das deutsche Tore-Polster in der Folge größer und größer, das Ergebnis hätte aber früher deutlicher ausfallen müssen.

Denn offensiv unterliefen dem Gislason-Team gegen eine aggressiv agierende Deckung einige Fehler im Abschluss, allein Gensheimer, der mit 174 Toren nun Deutschlands WM-Rekordschütze ist, vergab im ersten Abschnitt mehrere freie Würfe fahrlässig. „Wir haben elf Tore, aber acht Fehlwürfe gegen den Torhüter“, monierte Gislason beim Stand von 11:3 (22.) in der ersten Auszeit des Außenseiters. Nach dem Spiel ergänzte er: „So viele Fehlwürfe dürfen uns nicht passieren.“

Juri Knorr feiert WM-Debüt

Der Isländer tigerte an der Seite mit verschränkten Armen auf und ab, hundertprozentig zufrieden wirkte er mit dem Offensivspiel nicht. Bei seiner umgebauten Abwehr beobachtete Gislason hingegen weitaus weniger Schwierigkeiten, sie wurde aber auch kaum gefordert.

Gislason konnte daher auf allen Positionen fleißig Personal tauschen. Auch Juri Knorr, Sohn des früheren HSV-Kapitäns Thomas Knorr, kam wie sechs weitere Spieler zu seinem WM-Debüt. In der zweiten Hälfte, in der die DHB-Auswahl eine andere Deckungsvariante spielte, reduzierte Deutschland die Fehlerquote deutlich. Dem Außenseiter gingen die Kräfte aus.

Der Vorsprung wuchs und wuchs - und wurde standesgemäß. Nur beim 46:4 gegen Luxemburg bei der WM 1958 startete ein deutsches Team deutlicher in ein Turnier.