Thüringer Cheerleader tanzen weiter

Erfurt/Jena  Alba Berlin verzichtet künftig auf Shows von Cheerleadern. Das sagen Verantwortliche bei Thüringer Vereinen dazu.

Showtanz und HipHop: Die Tanzformation Cucumbers aus Jena sorgt seit 2015 bei den Heimspielen von Science City für gute Stimmung in der Basketballarena. Wie auch beim Cheerleading handelt es sich hierbei nicht um lockeres Rumgetanze – sondern um trainingsintensiven Sport.

Showtanz und HipHop: Die Tanzformation Cucumbers aus Jena sorgt seit 2015 bei den Heimspielen von Science City für gute Stimmung in der Basketballarena. Wie auch beim Cheerleading handelt es sich hierbei nicht um lockeres Rumgetanze – sondern um trainingsintensiven Sport.

Foto: Mesdot/Archiv

Radikale Entscheidung bei Alba Berlin: Der Basketball-Bundesligist lässt mit ­Beginn der neuen Saison nach 25 Jahren künftig keine Cheerleader mehr auftreten. Dazu entschied sich der Verein, weil er die Auftritte junger, leicht ­bekleideter Frauen zur Bespaßung des männlichen Publikums nicht mehr zeitgemäß findet. Er gehe damit einen überfälligen Schritt in die Moderne, denn längst sei das Ausstaffieren von Sport-Events mit Frauen zur Unterhaltung ein Zeichen von Rückständigkeit, hieß es.

In Thüringen teilt man diese Meinung allerdings nicht und plant auch keine entsprechenden Einschnitte. „Ein Absehen von Sideline Cheerleading oder auch den Shows in der Halbzeit hat weder etwas mit Gleichberechtigung noch mit der Vermeidung des Transportes eines falschen Frauenbildes zu tun“, ­argumentiert Christopher Mielke, Vorstandssprecher des American Football und Cheerleading Verbandes Thüringen. „Vielmehr wird damit unterstellt, dass Cheerleading nur ein sexualisierter Frauensport ist.“ Seit vielen Jahren steige dagegen der Anteil von Männern in diesem Sport und einige Stunts leben sogar von männlicher Unterstützung.

Cheerleading sei keine tanzende Pausenunterhaltung, sondern ein anerkannter Sport

„Das gedankliche Trennen in männlichen und weiblichen Sport ist definitiv nicht zeitgemäß. Football ist ein Sport für Männer und Frauen, genauso wie Cheerleading ein Sport für beide Geschlechter ist“, so Mielke. Statt gut gemeinter Verbote solle vielmehr daran ­gearbeitet werden, dass Cheerleading keine tanzende Pausenunterhaltung darstellt, sondern ein anerkannter Sport ist.

Selbige Sportart verbindet Elemente des Turnens, der ­Akrobatik und des Tanzes mit Anfeuerungsrufen der eigenen Sportmannschaft bei Veranstaltungen und Wettkämpfen sowie der Animation des anwesenden Publikums. Im etwas speziellerem Cheerdance/PerformanceCheer geht es dagegen vorwiegend um den Tanz.

Mehr Rampenlicht statt Aussortierung

Bei den Thüringer Vereinen stehen hingegen die Wettkämpfe und Meisterschaften im Vordergrund. Erst in diesem Frühjahr ging es beispielsweise für die Schmöllner Cheerleader „Flying Eagles“ nach Orlando (USA) zur Weltmeisterschaft. Mit Bronze sind sie zurückgereist. Ihr Trainer Alexander Newald (28) ist selbst seit zwölf Jahren Cheerleader – als einer von sechs Männern in der Mannschaft. Er bedauert das falsche Bild, das noch immer auch im Zeitalter der Emanzipation in der Öffentlichkeit herrsche, hält die Maßnahme von Alba Berlin aber für zu radikal. „Ein Verein, der sich als sozial in der Außendarstellung wahrnehmen lassen will, schafft es nicht, seine Cheerleader sozial im Spielbetrieb zu integrieren.“ Eine Möglichkeit wäre seiner Meinung nach, den Nachwuchs mehr ins Rampenlicht zu stellen und dadurch jungen Familien ein anderes Bild von dieser eigenständigen Sportart zu vermitteln.

Lutz Leßmann, Manager der Rollstuhlbasketballer von RSB ­Thuringia Bulls, wüsste keinen Grund, warum man zukünftig auf die Choreografien verzichten sollte. Für ihn spielt neben der künstlerischen Darbietung auf dem Parkett ein weiterer ­Aspekt eine Rolle: „Unsere Cheerleader und Tänzer bekommen durch ihre Auftritte gleichzeitig einen Kontakt zur Sportart und den Sportlern im Rollstuhl. ­Somit wird man sensibilisiert, lernt sich gegenseitig zu ­würdigen.“

Junge Männer sind Teil der Formationen

Auch bei den Basketballern von Science City Jena (SCJ) herrscht ein klarer Standpunkt zur Thematik: „Wir respektieren die Entscheidung von Alba Berlin, wenngleich die Begründung hätte besser formuliert werden sollen“, sagt SCJ-Pressesprecher Tom Prager. Demnach werde im Statement der Berliner dem Sport Cheerleading eine Existenzberechtigung abgesprochen und zugleich andere Vereine als altmodisch pauschalisiert.

In der heimischen Sparkassen-Arena unterhalten seit Jahren die Tanzgruppe Cucumbers sowie die Cheerleader der „Pom Angels“ gleichermaßen mit Tanz und Akrobatik.

Bei beiden Formationen seien laut Tom Prager Jungs beziehungsweise junge Männer integriert. „Bei den Mitgliedern handelt es sich um selbstbewusste und intelligente Menschen, die durchaus in der Lage sind zu differenzieren, ob ihre Auftritte als zeitgemäß einzuordnen sind.“

Zur wesentlichen Aufgabe des Cheerleadings teilt der Jenaer Pressesprecher die Meinung vieler Mitstreiter: das Anfeuern des eigenen Teams bei Wettkämpfen sowie die Animation des Publikums.

Dieser Herausforderung stellen sich thüringenweit viele Formationen mit weiterhin großem ­Enthusiasmus.

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