Ein neuer Führungsstil: Modis ITO GmbH in Erfurt lebt Vielfalt

Erfurt  Die Modis ITO GmbH in Erfurt lebt Vielfalt – von flexiblen Arbeitszeitmodellen bis zum internen Talent-Management.

Gelebte Vielfalt ist für Sven Lehmann und Claudia Borst von der Modis ITO GmbH nicht bloß eine Floskel.

Gelebte Vielfalt ist für Sven Lehmann und Claudia Borst von der Modis ITO GmbH nicht bloß eine Floskel.

Foto: Sibylle Göbel

Einen Ü-60er nicht zum Vorstellungsgespräch einladen, bloß weil er in ein paar Jahren in Rente geht? Einer jungen Mutter den Job verwehren, weil sie lieber Teilzeit arbeiten will?

Für Claudia Borst und Sven Lehmann kommt das überhaupt nicht infrage. Die beiden Manager der Modis IT Outsourcing GmbH stellen nicht nach solchen Kriterien ein, „jung und dynamisch“ – das gehört für sie einer anderen Zeit an und zu einem veralteten Führungsstil.

Individuell angepasste Arbeitszeiten

Für die beiden Führungskräfte des Unternehmens, das mit seinen Niederlassungen in Erfurt, Gera, Leipzig und Böblingen eine Art IT-Ersthelfer für Kunden in aller Welt ist, zählt zunächst einmal, dass jemand sich für die Arbeit in dem Unternehmen begeistern kann, dass er lernwillig und kundenorientiert ist. Alles andere ist zweitrangig.

„Wenn jemand aus familiären Gründen nur vier Stunden am Tag arbeiten kann, antworte ich: ,Prima, dann richten wir das so ein‘“, beschreibt Sven Lehmann ein Gespräch über individuell angepasste Arbeitszeiten. Das hat, versichert er, nicht allein mit dem umkämpften Arbeitsmarkt zu tun. Sondern auch mit der Erkenntnis, dass es einem Unternehmen nützt, wenn sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, Lebenssituationen und Erfahrungen in dessen Dienst stellen.

Allein in Erfurt 450 Angestellte

Wenn beispielsweise ein geeigneter Bewerber nur wenige Stunden arbeiten könne, versuche man ihn vor allem zu jenen Zeiten einzusetzen, an denen besonders viele Anfragen eintreffen. „Montags ist bei uns immer extrem viel los“, sagt Sven Lehmann. Fangen Teilzeitkräfte dann solche Spitzen mit ab, sei allen – den Kunden wie den Kollegen – geholfen. Wie es auch von Vorteil sei, wenn etwa Studenten hauptsächlich in den Semesterferien aushelfen würden. „Denn dann können die, die sonst da sind, Urlaub machen.“

Claudia Borst und Sven Lehmann sind davon überzeugt: Vielfalt in jeglicher Hinsicht, nicht nur im traditionellen Bereich der Geschlechterdiversität, bereichert ein Unternehmen und sollte bewusst vorangetrieben werden. So hat die Modis ITO, die allein am Standort Erfurt 450 und insgesamt rund 750 Mitarbeiter zählt, Kunden in 130 Ländern: Banken, Versicherungen, Autozulieferer, Systemgastronomen und viele mehr.

Mehr als 40 Nationalitäten

Pro Monat stehen im Schnitt 320.000 Kundenkontakte zu Buche. Viele davon können zwar auf Deutsch oder Englisch beantwortet werden, aber längst nicht alle. Da ist es von Vorteil, dass in dem Unternehmen derzeit 17 Sprachen gesprochen werden und mehr als 40 Nationalitäten vertreten sind. Oft, sagt Sven Lehmann, lasse sich ein IT-Problem zwar rasch beheben. Wenn ein Kunde dabei aber vom Modis-Mitarbeiter in seiner Landessprache angesprochen werde, man vielleicht noch ein bisschen Smalltalk mache, fühle sich der Kunde gleich besonders gut aufgehoben. Deshalb zeigt sich das Unternehmen auch flexibel, wenn sich ein Bewerber mit Fremdsprachenkenntnissen die Möglichkeit zur Ausübung seiner Religion während der Arbeitszeit erbittet: An ihrem Firmensitz in Erfurter Flughafennähe hat die Modis ITO Räumlichkeiten zur Ausübung der Religion geschaffen. Dass ein Mitarbeiter Gebetspausen einlegt, sei zwar erst einmal ungewöhnlich. „Wir lassen das aber zu“, sagt Sven Lehmann. „Denn den Respekt, den wir damit bezeugen, bekommen wir wieder zurück.“ Das Arbeitsklima sei dadurch ein sehr gutes.

Doch nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund bekommen eine Chance, sondern ebenso Behinderte. „Wir haben zum Beispiel Mitarbeiter mit Seheinschränkungen“, sagt Claudia Borst. Damit sie dennoch einen Rechner bedienen könnten, werde ihr Arbeitsplatz entsprechend angepasst. „Natürlich gibt es dafür Fördermittel. Aber unsere Software ist sehr speziell und muss eigens für sie weiterentwickelt werden. Trotzdem forcieren wir das, damit auch Menschen wie sie die Möglichkeit haben, bei uns zu arbeiten.“ Gleiches gelte für Quereinsteiger: Da selbst IT-Fachleute für die Arbeit im Unternehmen geschult werden müssten, haben auch alle die eine Chance, die nicht vom Fach sind. Sven Lehmann: „Wer ein bisschen IT-affin ist, der kann das lernen.“ Die Ausbildung, ergänzt Claudia Borst, werde immer auf den jeweiligen Mitarbeiter, seine Stärken und Potenziale zugeschnitten. Wichtig sei, dass jedem bewusst sei, wie viel von seiner Arbeit letztlich abhängt: Denn wenn beispielsweise bei einem Kunden in der Systemgastronomie plötzlich die Kassenladen nicht mehr aufgehen, bedeute das Umsatzverlust… Heißt: Es muss zügig und kompetent geholfen werden. Und das eben teilweise auch rund um die Uhr.

Von jedem Mitarbeiter hängt sehr viel ab

Maßgeschneidert ist indes nicht nur die Ausbildung zum IT-Agenten: Die Modis ITO legt auch Wert darauf, Führungskräfte aus den eigenen Reihen zu rekrutieren: 92 Prozent der derzeitigen Team- und 82 Prozent der Abteilungsleiter wurden intern gewonnen. „Jeder, der anpacken und etwas erreichen will, hat dazu die Möglichkeit“, versichert Claudia Borst. Dass der Frauenanteil in ihrem Unternehmen und einer doch eher männerdominierten Branche bei knapp 30 Prozent liegt, selbst im Management fast jeder Dritte weiblich sei, darauf ist Claudia Borst stolz. Die Persönlichkeit zähle eben. Nicht das Geschlecht, nicht die ethnische Herkunft, sexuelle Identität oder Religion.

Und eben auch nicht das Alter: Die Modis ITO GmbH hat aktuell Mitarbeiter zwischen 15 und 65, wobei zu den Ältesten sowohl jene gehören, die schon länger im Unternehmen sind, als auch Neueinsteiger. „Solche Mitarbeiter sind sehr wertvoll“, findet Sven Lehmann. Sie seien nicht nur erfahren und hochmotiviert, sondern brächten gerade auch in junge Teams, die manchmal zu Hektik und Aktionismus neigten, eine gewisse Ruhe und Gelassenheit. Von der profitierten auch die Kunden. Und erst recht das Arbeitsklima.