Von Einzelkämpfern zum Team: Wie das Eichsfeld den Hausmeisterdienst optimiert

Heiligenstadt  Der Landkreis Eichsfeld hat die Strukturen für Hausmeisterdienste reformiert. Das Konzept steht auf der Kandidatenliste für den Thüringer Energieeffizienzpreis.

Haben gemeinsam die Hausmeisterdienste optimiert: Wolfgang Lerch, stellvertretender Leiter des Liegenschaftsamtes (vorn, M.), Martin Westerberg als Kommunaler Energiemanager (2.v.r.) und die Hausmeister der Schulen.

Haben gemeinsam die Hausmeisterdienste optimiert: Wolfgang Lerch, stellvertretender Leiter des Liegenschaftsamtes (vorn, M.), Martin Westerberg als Kommunaler Energiemanager (2.v.r.) und die Hausmeister der Schulen.

Foto: ThEGA/Gecko One

Bis vor drei Jahren galt die Formel „eine Schule = ein Hausmeister“ auch im Eichsfeld. Jeder Hausmeister war für ein konkretes Objekt zuständig, reparierte tropfende Wasserhähne, pflegte Grünflächen und war Ansprechpartner für externe Dienstleister. Dann zeigte sich allerdings, dass sich für die Nachbesetzung von Hausmeisterstellen an kleineren Standorten kaum geeignete Bewerber fanden, da es sich nur um Jobs mit 20 Wochenstunden handelte.

Dies brachte das Liegenschaftsamt des Kreises auf eine Idee: Seine Mitarbeiter schlugen vor, die strikte Objektzuordnung zugunsten von Hausmeisterteams aufzugeben. Mithin von Teams, in denen sich zwar weiterhin Hausmeister in ihren Schulen besonders gut auskennen, in denen sie aber auch flexibel überall dort eingesetzt werden können, wo gerade Bedarf besteht. Statt als Einzelkämpfer für nahezu alles zuständig zu sein, sollten die Hausmeister zudem ihre handwerklichen Kompetenzen in verschiedenen Gewerken bündeln und dementsprechend zum Einsatz kommen – die Elektriker sich beispielsweise um alles kümmern, was in ihrem Beritt unter Strom steht, der Trupp Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Klimatechnik sich derweil den Aufgaben widmen, die in diesem Bereich anstehen.

In einer knappen halben Stunde vor Ort

Vorteil einer solchen Lösung: Die Hausmeister können sich nicht nur bei Urlaub oder Krankheit gegenseitig vertreten. In einer Zeit, in der viele Handwerksfirmen volle Auftragsbücher haben, können die Hausmeister die Fähigkeiten in den eigenen Reihen auch besser ausspielen und sich gegenseitig unterstützen. Auf die Dienste der Firmen im Eichsfeld wird der Landkreis als Schulträger zwar auch künftig nicht verzichten. Doch die Hausmeister sind es, die zuerst vor Ort sind, selbst Reparaturen ausführen und mit der Verwaltung absprechen, wo die Spezialisten ranmüssen. „Bei größeren und komplexeren Baumaßnahmen setzen wir die gute Zusammenarbeit mit den Fremdfirmen natürlich fort“, sagt Wolfgang Lerch, stellvertretender Amtsleiter.

Innerhalb einer knappen halben Stunde seien die kreiseigenen Handwerker heute da, wo sie gebraucht werden, erklärt Lerch. Dabei müssten die Hausmeister keineswegs im ganzen Landkreis unterwegs sein. Vielmehr seien drei Regionalteams mit je 13 bis 15 Mitarbeitern aktiv, die in ihrem Gebiet mehrere Liegenschaften gemeinsam betreuen. Getreu dem Motto: Kurze Wege garantieren rasches Eingreifen und schnelle Hilfe.

Weiterer Pluspunkt der neuen Struktur

Genau da zeigt sich ein weiterer Pluspunkt der neuen Struktur: Streikt etwa an einer Schule die Heizung oder Solaranlage, kann unverzüglich reagiert werden, wovon letztlich auch die Umwelt profitiert. Wie es der Umwelt auch zugutekommt, dass bei Neuanschaffungen von Technik für die Grünpflege auf Geräte mit Akkubetrieb umgestellt wird, die noch dazu mit Ökostrom geladen werden.

Überhaupt hat die Verwaltung jetzt jedes Team mit hochwertigem Profigerät ausgestattet, anstatt in jeder Schule nur einfaches Werkzeug vorzuhalten. Denn die Hausmeister brauchen für die Vielzahl ihrer Aufgaben vernünftiges Equipment, wie es auch auf modernes Knowhow ankommt. Deshalb ist ein Teil von ihnen auch noch einmal speziell für Aufgaben wie etwa die Baum- und Spielplatzkontrollen geschult worden.

Wolfgang Lerch ist froh, dass die Neuorganisation der Hausmeisterdienste von den Hausmeistern sehr gut aufgenommen wurde und sie auch selbst Verbesserungsvorschläge machen. „Die Kollegen einzubeziehen, das ist für den Erfolg sehr wichtig“, betont Wolfgang Lerch. Die neue Struktur habe die Motivation deutlich erhöht. Inzwischen seien Stellen, wenn sie neu ausgeschrieben werden, sogar sehr begehrt. Die Arbeit im Team statt als „Alleinunterhalter“ mache eben einfach Spaß.

Aktuell betreuen die 45-köpfigen Teams knapp 100 Objekte an 50 Schulstandorten mit rund 190.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche. Das hört sich viel an und ist auch viel. Doch im Team lassen sich die Herausforderungen gut bewältigen. Und das auch noch so, dass nicht nur die menschlichen, sondern sämtliche Ressourcen effizient eingesetzt werden. Für die Ausrichter des 8. Thüringer Energieeffizienzpreises einer der Gründe, das Hausmeisterteam auf die Kandidatenliste zu setzen.

Sechs Preisträger werden gekürt

In Weimar wird am heutigen Donnerstag der 8. Thüringer Energieeffizienzpreis verliehen. Neu ist nicht nur, dass das Forum der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur den Rahmen bildet, erstmals wird der Preis auch jeweils an drei Preisträger in den Kategorien „Klimaschutz in Kommunen“ und „Energieeffizienz“ vergeben.

Die ersten Preisträger jeder Kategorie erhalten je 8000 Euro, die Zweitplatzierten je 5000 Euro und die dritten Plätze je 2000 Euro. Insgesamt lagen 16 Bewerbungen vor. Das Umweltministerium unterstützt den Wettbewerb, die Thüringer Energie AG ist langjähriger Hauptsponsor.

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