Wenn eine Glasscheibe zur Kamera wird: Carl Zeiss Jena mit innovativer Erfindung

Tino Zippel
| Lesedauer: 2 Minuten
Eine Glasscheibe mit eingebauter Kamera: Mikrooptik-Bereichsleiter Roman Kleindienst schaut durchs Glas, wird gefilmt und auf dem Fernseher gezeigt.

Eine Glasscheibe mit eingebauter Kamera: Mikrooptik-Bereichsleiter Roman Kleindienst schaut durchs Glas, wird gefilmt und auf dem Fernseher gezeigt.

Foto: Tino Zippel

Jena.  Thüringer Innovationspreis: Wie Carl Zeiss Jena mit Mikrooptiken nicht nur Windschutzscheiben von Autos verbessern will.

Bei Videokonferenzen Augenkontakt zu halten, fällt mit heutiger Technik schwer. Wer in die am Geräterand platzierte Kamera blickt, kann die Reaktionen der Gesprächspartner nur schwer verfolgen. Und wer auf den Bildschirm schaut, hält keinen Augenkontakt.

Die Carl Zeiss Jena GmbH integriert die Optik für die Kamera künftig direkt ins Displayglas. Mikrooptiken, also feinste Strukturen im Glas, fangen das Licht ein und leiten es zum Bildsensor am Glasrand. So bleiben die Teilnehmer einer Videokonferenz in Augenkontakt.

Windschutzscheiben lassen sich umfassend funktionalisieren

Das Potenzial der Zeiss-Entwicklung ist aber weitaus größer, wie Bereichsleiter Roman Kleindienst erläutert. Das smarte Glas eignet sich neben der Detektion auch für Projektionen, die Beleuchtung oder Filterung. Am Beispiel einer Windschutzscheibe: Der Detektor nebst Mikrooptiken ersetzt die Kameras, die für den Spurhalteassistenten notwendig sind. Mit Projektionen in der Scheibe lassen sich Navigationsempfehlungen für den Fahrer direkt auf die Straße zeichnen – die Technik braucht viel weniger Platz im Armaturenbrett als heute.

Mikrooptiken können auch UV-Strahlen aus dem Licht filtern, Sonnenenergie aus einer Glasscheibe zu einer Solarzelle leiten oder Fensterscheiben im Dunklen in eine homogene Lichtquelle verwandeln.

Technologieplattform ermöglicht Produktion für Massenmärkte

50 Beschäftigte haben die Technologieplattform entwickelt, die mikrooptische Strukturen auf Flächen von bis zu zwei Quadratmetern für den Massenmarkt produziert. Erste Interessenten, die solche Großmaschinen einsetzen wollen, warten bereits auf die erste Auslieferung, die Zeiss 2022 plant.

Carl Zeiss Jena tritt mit dem „Smart Functional Glass“ in der Kategorie Licht und Leben an und hat es auf die Longlist beim Thüringer Innovationspreis geschafft. Die mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 24. November vergeben. Wir stellen in den kommenden Wochen weitere Unternehmen, die es unter die Top 20 geschafft haben, vor.

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