Schwarzarbeit? Nein, es geht hier nicht um Steuer- und Sozialbetrug am Staat, sondern um ein Handwerk, welches heute ausgestorben ist, in früheren Zeiten jedoch äußerst wichtig war. Denn ohne das hergestellte Endprodukt, wären die Menschen damals gar nicht in der Lage gewesen, etwa Druckerzeugnisse wie Zeitungen oder Bücher herzustellen.

Dabei zählte auch die Region des Thüringer Waldes einstmals zu den wichtigsten Produktionsstätten dieses so begehrten Rohstoffs: Die Rede ist vom Kienruß, also fast reinem, mikrokristallinem Kohlenstoff, der in einem aufwendigen Prozess gewonnen wurde und anschließend in feinster Form für die Herstellung von Druckerschwärze, in späterer Zeit auch für schwarze Tusche Verwendung fand.

Selbst für Schuhwichse wurde das schwarze Gold benötigt

Darüber hinaus stellte man aus dem schwarzen Rohstoff Pigment-, Öl- und Malerfarbe sowie in Verbindung mit Schweineschmalz auch Schuhwichse her. Um nun an das schwarze Gold zu gelangen, bedurfte es zunächst einer Rußhütte, in der sich ein Kienbrennofen befand. Dieser war so aufgebaut, dass in einer Brennkammer besonders harzreiches Holz, vor allem Fichte, gemeinsam mit Baumrinde und den Abfällen, die bei der Harz- und Pechherstellung in Form von Pech- oder Teerschwelen anfielen, unter geringer Luftzufuhr verbrannt wurde. Der durch den Schwelbrand entstehende Rauch zog durch die Rußkammer und anschließend über einen Abzug ins Freie.

An der Decke der Kammer waren Säcke oder Tücher aus Jute oder Leinen aufgehängt, die das begehrte Gut auffingen. Der Kienbrenner schlug dann von Zeit zu Zeit die Säcke oder Tücher aus, sodass der Rohstoff direkt zu Boden fiel. Dieser Pfundruß war am begehrtesten, weil er reiner war als jener Ruß, der sich an den Wänden und am Boden der Kammer absetzte.

Rund um Sonneberg gab es zahlreiche Kienrußbrennereien

Ein Brennvorgang dauerte zwischen 12 und 14 Stunden. Anschließend ließ man den Ofen erkalten und wiederholte das Ganze. Aller drei Tage wurde der Ruß aufgesammelt und in Butten (Holzfässer) gefüllt, die dann für den Export bereitstanden. Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert war dieser Wirtschaftszweig für den Thüringer Wald bedeutend.

Rund um Sonneberg gab es zahlreiche Kienrußbrennereien, die den örtlichen Handelshäusern einträgliche Geschäfte einbrachten. Auch bei Gräfenroda befanden sich einstmals 12 Ruß- und Pechhütten, die quasi Hand-in-Hand arbeiteten. Weitere wichtige Standorte waren zudem Gräfenthal und Probstzella. In der Hochzeit soll hier im 18. Jahrhundert ein jährlicher Reingewinn von 54.000 Talern erwirtschaftet worden sein. Denn die begehrte Ware wurde keines Falls nur im deutschen Raum verkauft, sondern kam von Wanfried per Schiff über die Werra und Weser nach Bremen. Von hier aus gelangte der Rohstoff „Made in Thüringen“ bis nach West- und Ostindien.

Mit der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts begann der schrittweise Niedergang des Handwerks.

Diese Industrie hat im Land zahlreiche Spuren hinterlassen

Vor allem, nachdem es mithilfe der Verschwelung von Steinkohle einfacher geworden war, an den Rohstoff heranzukommen ging die Zahl der Kienrußbrennereien nach und nach zurück. Allerdings hat diese, über Jahrhunderte prägende Industrie auch in unserem Land Spuren hinterlassen. So hieß früher etwa der untere Ortsteil des zu Neuhaus am Rennweg gehörenden Schmalenbuche „Rußhütte“ und liefert damit den Hinweis, dass auch hier Kienruß produziert wurde