Es ist eine Tatsache, dass in Natur und Technik oftmals die gleichen Lösungen existieren, weil sie entweder denselben physikalischen Kraftwirkungen oder Umweltbedingungen unterworfen sind. Mitunter entdeckt man, dass die Entwicklung aus der Natur schon seit vielen Millionen Jahren existiert, längst bevor der Mensch auf die Idee kam, eine ähnlich funktionierende technische Lösung hervorzubringen.

Mantelfläche von Rohren möglichst rückstandsfrei säubern

Ein Beispiel dazu sind mechanische Reinigungssysteme. Früher überlegte man nämlich, wie man die äußere Mantelfläche von Rohren effizient und möglichst rückstandsfrei säubern könnte. Das war notwendig, um für nachfolgende Prozesse, wie beispielsweise für solche des Galvanisierens oder des Polierens, ihre Oberfläche gegen Rost zu schützen oder ihre optische Erscheinung durch eine möglichst gleichmäßig glatte Oberfläche aufzuwerten. Beim Letzteren erfolgt die Oberflächenbehandlung durch mechanisches Bürsten. Dabei kommen in ihrem Durchmesser verstellbare Ringbürsten mit innenliegenden Drahtborsten zum Einsatz, wobei ein äußerst geringer Werkstoffabtrag sowie auch das Verfüllen von Vertiefungen erfolgt.

Die Anpresskraft der Borsten kann vergrößert werden

In dieser Anordnung und Funktion ist auch der Antennenputzapparat der Honigbienen ausgelegt. Dieser Antennenreiniger befindet sich in der Einkerbung der Bienenvorderbeine. Er besteht dort aus einer halbkreisförmigen Einkerbung, die mit unterschiedlich großen Borsten in kammartiger Anordnung ausgestattet ist. Die langen harten Borsten erfüllen die Funktion des Vorreinigens, während die kurzen die des Polierens dienen. Mit dieser Anordnung können Unebenheiten und Vertiefungen besser erreicht werden. Durch Anziehen der Beine kann sogar der Innendurchmesser des Putzapparates verringert und damit die Anpresskraft der Borsten vergrößert werden.

Biene sammelt Blütenpollen
Da sich an den Antennen oft Reste von Blütenstaub und Schmutzpartikeln ansetzen, hat sich bei den Honigbienen ein äußerst effiziente Reinigungssystem herausgebildet. © Bernd Weißbrod/dpa | Bernd Weißbrod

Die beiden Antennen, auch Fühler genannt, sind sozusagen das Sinneszentrum der Honigbiene. Sie dienen der Wahrnehmung von Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn. Da sich an den Antennen oft Reste von Blütenstaub und Schmutzpartikeln ansetzen, sind sie in ihrer Funktion eingeschränkt. Deshalb hat sich bei den Honigbienen dieses äußerst effiziente Reinigungssystem herausgebildet. Vielleicht lässt sich nach dem Vorbild dieses biologischen Systems das technische Rohrreinigungssystem noch weiter optimieren?