Schildkrötengehege Tierheim Weimar
Der Panzer der Schildkröte hat eine Schutzfunktion und die Musterung dient vorrangig der Tarnung.© Funkemedien Thüringen | Victoria Augener

Tiernamen sind beim Militär äußerst beliebt und haben sich bei der Bezeichnung von Kriegswaffen als äußerst sinnvoll erwiesen. Sie vermitteln dem Feind Stärke, Angriffslust und Kampfbereitschaft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass beispielsweise Panzer mit „Tiger“, „Panther“ oder „Leopard“ bezeichnet werden.

Auch die äußere Körpergestalt von Tieren mit ihren besonderen Schutzeinrichtungen wird kopiert, wie es sich in der Ähnlichkeit von Gefechtspanzer und Schildkrötenpanzer zeigt.

Schildkrötenpanzer vereinen Stabilität und Leichtigkeit

Sowohl bei den Schildkröten als auch bei den Gefechtspanzern hat die äußere Hülle eine Schutzfunktion und die Musterung dient vorrangig der perfekten Tarnung. So sind Schildkrötenpanzer perfekte Vorbilder nicht nur für Panzer, sondern auch für Stahlhelme.

Der Panzer der Schildkröten ist ein regelrechtes Wunderwerk der Natur. Aufgrund seiner Massivität könnte man annehmen, dass er besonders schwer ist. Das ist keineswegs der Fall. Er besteht nämlich aus vielen Luftkammern. Trotz seiner Stabilität ist er doch verhältnismäßig leicht.

Schildkrötenpanzer verbindet Knochen und Horn zu stabilem Schutz

Der Schildkrötenpanzer, der etwa 30 Prozent der Schildkrötenmasse ausmacht, gliedert sich in einem gewölbten Rücken- und einem flachen Bauchpanzer. Rücken- und Bauchpanzer sind durch „Brücken“ aus Knochen miteinander verbunden. Der Rückenpanzer besitzt eine typische Sandwich-Bauweise. Sie bildet eine äußere Schicht aus knöchernen Hornschilden, die vor allem aus Keratin wie unsere Fingernägel besteht.

Die innere Schicht bilden Knochenplatten, die mit der Wirbelsäule und den Rippen verwachsen sind. Zwischen innerer und äußerer Schicht befindet sich eine dicke Zwischenschicht. Sie besteht aus stützenden Knochensäulchen, zwischen denen sich die Hohlräume befinden.

Panzer schützt Schildkröten und inspiriert römische Kriegsführung

Der Panzer dient dem Tier auch als wirksame Wärmehülle: Es kann sich darin aufwärmen und auch die Wärme speichern. Er bietet der Schildkröte außerdem Schutz vor Fressfeinden. Bei Gefahr dient der Panzer so als Festung, in die sich das Tier zurückziehen kann.

Diese Schutzvorteile erkannten bereits die Römer. Zur Zeit Cäsars um 100 v. Chr. wurde diese raffinierte Naturlösung für das römische Heer als militärisch-taktische Formation kopiert. Sie war die Anordnung eines gegenseitig überlappenden Schilderdaches und wurde von den Römern als „Testudo“ bezeichnet.

Die „Testudo-Formation“ hatte die Form eines Rechteckes. Dabei hielten die innen stehenden Legionäre ihre Schilde über Kopf und die außenstehenden zur Seite, sodass ein wirksamer Rundumschutz erreicht wurde. Er diente aber nicht nur dem Schutz vor starkem Beschuss, sondern auch dem abgeschirmten Vorrücken in Richtung des Gegners.