Es gibt eine Vielzahl von Tieren, die mit ganz anderen Organen sehen, hören, riechen und schmecken als wir Menschen. Da existieren solche, die mit den Ohren oder Beinen „sehen“, wieder andere können in stockdunkler Nacht oder in trüben Gewässern ihre Beute zielsicher orten. Manchen ist es möglich, feinste Bodenschwingungen wahrzunehmen, wie beispielsweise dem Sandskorpion.

Tiere orten Beute durch feinste Vibrationen im Sand

Dieser gehört zu den Spinnentieren und lebt in der Mojave-Wüste in Kalifornien. Sandskorpione sind wahrliche Wunder der Natur. Ihre Mechanorezeptoren, die auf feinste Bodenschwingungen reagieren, sind so empfindlich, dass sie auf Amplituden von bis zu einem Millionstel Millimeter ansprechen. Unter einer Amplitude versteht man den maximalen Ausschlag einer Schwingung aus ihrer Ruhelage.

Diesem Skorpion ist es sogar möglich, die extrem schwachen Bodenerschütterungen wahrzunehmen, die krabbelnde Insekten auf der Sandoberfläche verursachen. Bei ihrer Fortbewegung entstehen zwei unterschiedliche Wellenarten, wie Längs- und Rayleighwellen, die der Skorpion mit den Füßen wahrnimmt. Die beiden Wellenarten erreichen die acht Beine des Skorpions nacheinander. Zunächst werden die schnelleren Längswellen mit den Tasthaaren aufgenommen, aus denen die Richtung des Beutetiers ermittelt wird. Wenn beispielsweise die Längswelle zuerst am rechten Hinterbein eintrifft, kann der Skorpion daraus ermitteln, dass sich das Beutetier rechts hinter ihm befindet.

Entfernung wird mit Sinnesorganen gemessen

Die Feststellung des Abstandes zur Beute erfolgt durch das Bestimmen der Laufzeitunterschiede von Längs- und Rayleighwellen. Letztere werden mit dem sogenannten Spaltsinnesorgan am Fußgelenk aufgenommen. Da die Rayleighwellen langsamer als die Längswellen sind, treffen sie auch später am rechten Hinterbein des Skorpions ein. Der Skorpion ermittelt hierbei die zeitliche Verzögerung zwischen den durch die Wellenbewegung gereizten Tasthaaren und dem gereizten Spaltsinnesorgan. Mit wachsender Entfernung zum Beutetier vergrößert sich dabei der Zeitunterschied. Der Skorpion findet so heraus, wie weit das Beutetier von ihm entfernt ist. Diese Information zur Nahrungsbeschaffung sichert ihm das Überleben in der lebensfeindlichen Wüste.

Solche Erkenntnisse nutzen Seismologen zunehmend zur Verbesserung von Frühwarnsystemen für Erdbeben und Vulkanausbrüche.

Vulkan Kanlaon auf den Philippinen
Seismologen nutzen Erkenntnisse aus dem Verhalten von Sandskorpionen, um Messungen im Zusammenhang mit Vulkanen zu verbessern. © DPA Images | -