Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Es ist schon ein paar Tage her, da wurde in München ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Nun ist es eine alte Tradition, dass Gewählte, ob nun auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, an so einem Wahlabend mit ihrem oder ihrer Liebsten auf die Bühne treten, sich öffentlich küssen, dies fotografiert und dann auch veröffentlicht wird.

Generell ist in unserer Gesellschaft ein öffentlicher Kuss von Politikerinnen und Politikern sehr selten. In dieser Situation aber gehört er zum Bild, das sich eingebürgert hat. Kritik an diesen Kussfotos habe ich in all den Jahrzehnten nicht wahrgenommen. Anders etwa als an den Bruderkussfotos, wie sie einst üblich waren.

Zum Kussfoto aus München hat mich ein Schreiben mit der Forderung erreicht: Das dürfe so nicht gezeigt werden. Das? Nun, der Münchner Oberbürgermeister ist mit einem Mann verheiratet. Und der Schreiber meint, das gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Moral, Werte und der Fortbestand der Gesellschaft werden ins Feld geführt. Woher diese Abwehrhaltung wohl kommt? Und wohin sie wohl führt? g.sommer@tlz.de