Bekanntlich werden durch Unfälle oder andere missliche Ereignisse verlorengegangene Körperteile durch Prothesen ersetzt. Götz von Berlichingen wäre sicherlich sehr erstaunt darüber, welche Hightech-Prothesen es heute gibt. Obwohl seine eiserne Hand zu seiner Zeit auch ein „Hightech“-Produkt war, sind die heutigen Handprothesen dagegen leicht, flexibel sowie mit allerlei Sensoren ausgestattet und dazu auch noch ziemlich „gefühlvoll“.

Die technische Entwicklung von Prothesen schreitet durch den Einfallsreichtum ihrer Entwickler und Konstrukteure immer weiter voran. Die Elektronik mit leistungsfähiger Sensorik und der Steuerung durch Muskelsignale macht das möglich. Heute sind Prothesen ohne Sensoren nicht denkbar. Handprothesen können mittlerweile Temperaturunterschiede von Greifobjekten und beim „Händeschütteln“ auch Druckkräfte wahrnehmen. Der Träger einer Handprothese ist beispielsweise in der Lage, eine Tasse Tee anzufassen und zu fühlen, wie warm diese ist.

Moderne Handprothesen können heute noch mehr. Eine mit Mechanosensoren an den Fingerspitzen ausgerüstete Handprothese kann dem Gehirn des Trägers eine Rückmeldung geben, welchen Druck, ob groß oder klein, er mit ihr ausüben muss, um einen zerbrechlichen oder einen robusten Gegenstand sicher zu halten. Der Prothesenträger hat dabei den Eindruck, dass er tatsächlich fühlen kann – und das dank der leistungsfähigen Sensoren. Die Finger einer künstlichen Hand können mit Druckkraft betrieben werden. Wie ein aufgeblasener Luftballon bringen sie sich in die entsprechende Form.

Die Finger mancher Prothesen bestehen aus gekammerten Kunststoffschläuchen, die mit einem knochenähnlichen Stützgerüst stabilisiert werden. Die Finger funktionieren durch Vorstellungskraft. Eine Situation soll diese Tatsache veranschaulichen. Vor dem Träger der Handprothese steht ein Glas Milch, welches er zum Trinken aufnehmen muss. Die elektrischen Signale werden vom Gehirn zum Armstumpf und von da aus zu einer Steuereinrichtung übertragen. In dieser Einrichtung werden die elektrischen Signale in die Bewegungen der Finger umgewandelt. Ein mit der Steuereinrichtung verbundenes Pneumatikteil bewegt die Finger dann, wenn sie sich mit Druckluft füllen. Eine programmierte Handprothese ist in der Lage, ganz bestimmte Handgriffe auszuführen. Es lassen sich entweder zwei oder mehr Finger zum Greifen bewegen oder die Finger können zu einer Faust geballt werden.

Trotz ständiger innovativer Weiterentwicklung ist man von der vollständigen Nachbildung der menschlichen Hand noch ein ganzes Stück entfernt. Mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Prothesen haben die Möglichkeit, vom Träger zu lernen, um Bewegungen intuitiv und situationsangepasst zu verrichten. 

Ottobock
Eine myoelektrisch gesteuerte Handprothese des Orthopädietechnikherstellers Ottobock.© Swen Pförtner/dpa | Swen Pförtner