Onkel Albert war Polizist und hatte ständig wechselnde Schichten. Tante Christa arbeitete in einem großen Supermarkt und musste ebenfalls regelmäßig sonntags Dienst tun. Als ich als Teenager meine Verwandten in Florida während der Osterferien besuchte, kamen wir nur selten alle zusammen. Irgendjemand musste immer arbeiten.

Sonntag für Erholung und Gemeinschaft bewahren

Nun wird auch in Deutschland die Sonntagsruhe wieder infragegestellt. Ich verstehe die Sorgen des Einzelhandels: Immer mehr Menschen kaufen online ein. Unsere Innenstädte sind oft wunderschön, doch viele Boutiquen und Fachgeschäfte können sich wegen der sinkenden Kauflust kaum noch halten. Sollen wir deshalb den Sonntag opfern, damit die Fußgängerzonen wieder belebt werden?

Dabei vergessen wir leicht: Ein gemeinsamer freier Tag ist eine große gesellschaftliche Errungenschaft. Die Seele baumeln lassen, zur Ruhe kommen, Freunde treffen, im Gottesdienst oder im Wald Kraft schöpfen – das ist kein Luxus. Der Mensch braucht Zeiten des Innehaltens, gerade wenn er gesund bleiben will (und bis ins hohe Alter arbeiten soll!).

Gemeinsame freie Tage schützen und wertschätzen

Es gibt Ausnahmen und so manchen verkaufsoffenen Sonntag an besonderen Daten. Soll das die Regel werden? Schon heute arbeiten viele Menschen an Wochenenden und Feiertagen und halten unsere Gesellschaft am Laufen: Pflegekräfte, Polizistinnen und Polizisten, Feuerwehrleute, Beschäftigte im Gastgewerbe und viele andere. Sie verdienen unseren Dank – und eine angemessene Bezahlung. Gerade sie wissen, wie kostbar (wie „heilig“) gemeinsame freie Tage sind.

„Du sollst den Feiertag heiligen“, heißt es in den Zehn Geboten. Eine anmaßende strenge Regel? Nein, ein Geschenk. Nimm dir Zeit. Gönn dir Ruhe. Lass auch einmal den Rasenmäher stehen. Nutze den Sonntag für dich, für deine Familie, für deine Freunde – und nicht zum Arbeiten.

Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen.