Blätter mit großen Blattflächen werden in tropischen Ländern seit jeher als einfache Verpackungsmöglichkeit von den dort lebenden Menschen genutzt. Sie schützen Lebensmittel vor Beschädigungen und vor dem Austrocknen. Weiterhin wird mit ihnen der Inhalt während des Transportes zusammengehalten und nach Gebrauch sind solche Blätter bekanntlich vollständig biologisch abbaubar.

Käfer falten Blätter zu kunstvollen Verpackungen

Dass manche Tiere Blätter zum Auspolstern von Höhlen und Nestern nutzen, ist allgemein bekannt. Aber dass es auch Tiere gibt, die aus Blättern kunstvolle Verpackungstüten herstellen, ist kaum geläufig.

Eine Frau füllt Kartoffeln in eine Papiertüte
Papiertüten erfreuen sich großer Beliebtheit beim Einkauf, wenn man keine eigenen Beutel dabei hat.© Benjamin Nolte/dpa-tmn | Benjamin Nolte

Wer hätte denn gedacht, dass ein Insekt, unser heimischer Birkenblattroller, schon seit Jahrmillionen trichterförmige Blatttüten herstellen kann? Diese Blatttüten sind für den Käfer, seine Eier und später für die Larven eine behagliche „Kinderstube“. Diese kann dann sogar nach Gebrauch verzehrt werden.

Die Blatttüten werden vom Käfer ohne Klebstoff, nur mit den Mundwerkzeugen und den Beinen, hergestellt. Dabei wird emsig geschnitten und gerollt. Zum Schluss schließt der Käfer das entstandene Loch mit der nach oben geklappten Blattspitze zu – fertig ist die Blatttüte. Das „Schnittmuster“, also die Vorlage zur Herstellung der Tüte, ist bei den Käfern im Erbgut gespeichert und wird bei Bedarf als internes Handlungsprogramm „abgerufen“. Die Käfer wissen also schon am Beginn ihres Lebens, wie sie die Blatttüten herstellen müssen.

Von der Erfindung zur Massenproduktion der Papiertüte

Der Mensch erfand Tüten jedoch unabhängig von der Natur, die zunächst für die Verpackung von Schüttgütern, wie beispielsweise Reis, genutzt wurden. Die ersten Tüten stellte man aus Bambusfaserpapier her. Daraus erzeugte Papierbögen wurden kegelförmig zusammengedreht und die Spitzen umgebogen, damit nichts herausfallen konnte.

Um 1750 wurde die Papiertüte in Europa erfunden. Kurze Zeit später gelang dem Buchbinder Gumpert Bodenheim (1809–1887) die industrielle Fertigung von Papiertüten in Massenproduktion.