Liebe Leserinnen, liebe Leser.
Es geschah vor 50 Jahren: Ein italienischer Lastwagenfahrer bemerkt beim Grenzübertritt Richtung Bayern, dass ihm ein Formular nicht überreicht wurde. Also macht er sich zu Fuß Richtung DDR auf den Weg. Ein junger Grenzer wird geschickt, er tritt ihm entgegen und erschießt Benito C., als der sich abwendet. Der junge Grenzer wird dafür, so ist es der blutige Brauch in der DDR, belobigt, einschließlich Geldprämie. Wie verkommen kann man sein?
Weil der Fall aber diplomatische Verwicklungen hervorgerufen hatte, waren der Familie auf Honeckers Geheiß 80.000 DM für den Verlust bezahlt worden. Und der Sohn durfte später in der DDR studieren.
Und es geht noch weiter: Der Todesschütze sowie sein Vorgesetzter, der fürs Schießen verantwortlich war, bleiben auch ohne Strafe, als das Grenzregime ein Ende hat. Das wurde so Mitte der 1990er Jahre in Gera entschieden, gerade so, als ob alles rechtens gewesen sei … g.sommer@tlz.de


