Liebe Leserinnen, liebe Leser.
Ich bin ein Nasenmensch, auch ein Augen- und ein Ohrenmensch. Aber mein Herz geht auf bei bestimmten Düften.
Wenn ich ein älteres Haus betrete, katapultiert mich der Geruch von Bohnerwachs, Staub und ein wenig Kochdunst gedanklich in meine Zeit nach dem Abitur. Da habe ich ein paar Monate in einem Haus gewohnt, das diesen Geruch verströmte. Es waren gute Zeiten.
Ausdünstungen sind Wegweiser. Gerüche beleben die Erinnerung. Düfte können uns verleiten. Die Manipulationskraft ist längst erkannt. Nicht überall, wo es nach frischen Brötchen riecht, wird wirklich gebacken. Und ein bisschen ist es bei manchen Duftträgern so wie beim Wolf, der extra Kreide gefressen hatte, um die sieben Geißlein zu täuschen. Da wird quasi durch die Nase eine heile Zukunft versprochen. Und zu spät nimmt mancher den Schwefelgeruch wahr. Da hat ihn ein heutiger Mephisto längst an der Nase herumgeführt. g.sommer@tlz.de


