Eine Leserin schreibt:

Wie habe ich mich jüngst darüber gefreut zu lesen, dass nach langer Wartezeit nun endlich die seit Jahren versprochene Busanbindung nach Drackendorf, Lichtenhain und Ziegenhain umgesetzt wird. 

Dass die Linien nur Montag bis Freitag fahren - schade, aber besser als gar nicht. Dass die Linien nur zwischen 6 Uhr und 18 Uhr fahren - ebenfalls schade, aber besser als gar nicht. Dass es einen 18-monatigen Probebetrieb geben soll - nachvollziehbar, denn schließlich muss sich erst zeigen, wie gut das neue Angebot angenommen wird.

Langer Weg zur Straßenbahn belastet Schulkinder

Besonders gefreut habe ich mich für die vielen Drackendorfer Schülerinnen und Schüler. Sie müssen bisher täglich - egal ob bei Hitze, Regen oder Glatteis - mit schwerem Ranzen und Sporttasche bepackt, je nach Wohnlage bis zu 1,3 Kilometer zur nächstgelegenen Straßenbahnhaltestelle laufen. 

Bushaltestelle Drackendorf
Der Fahrplan in Drackendorf zeigt an: Der Bus hält hier nur alle zwei Stunden - und für Schüler zur Unzeit.© Funke Medien Thüringen | Marcus Voigt

Doch die Freude über die neue Busanbindung währte leider nur kurz. Ein Blick auf die Abfahrtszeiten in Drackendorf zeigt: Für Schülerinnen und Schüler ist die neue Linie morgens praktisch nicht nutzbar. Abfahrt um 6.05 Uhr - da steht man vor verschlossenen Schultüren. Die nächste Abfahrt 8.05 Uhr - nur etwas für notorische Zuspätkommer. Damit wird eine große und naheliegende Nutzergruppe von vornherein weitgehend ausgeschlossen. 

Fahrzeiten sind nicht auf Fahrgäste abgestimmt

Sicherlich hat der Nahverkehr lange über die Routen- und Fahrzeiten nachgedacht und versucht, kostensparend alle drei Ortsteile anzubinden. Doch gerade vor dem Hintergrund des 18-monatigen Probebetriebs stellt sich mir eine entscheidende Frage: Wie soll die tatsächliche Nachfrage nach einer Buslinie beurteilt werden, wenn eine ganze Gruppe potenzieller Fahrgäste aufgrund der Fahrzeiten gar nicht erst die Möglichkeit hat, das Angebot zu nutzen? 

Und ja, die neuen Linien verursachen Kosten, die irgendwie gedeckt werden müssen. Schülerinnen und Schüler besitzen zudem häufig bereits ein Deutschlandticket und bringen dem Nahverkehr damit keine zusätzlichen Einnahmen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt! 

Lieber Nahverkehr, wir Drackendorfer würden uns sehr freuen, wenn die Fahrzeiten nochmals nachgeschärft und an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. 

Jana Zimmermann, Jena-Drackendorf

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