Zum „Jedermann“, der in den vergangenen Tagen auf dem Rathausplatz in Weimar gespielt wurde, schreibt ein Leserpaar:
Die Bibel wird oft zitiert, aber die Menschen richten sich nicht danach.
Jesus erzählt von einem reichen Mann, der im Luxus lebt, und von dem armen Bettler Lazarus vor seiner Tür. Nach dem Tod leidet der reiche Mann im Feuer des Totenreichs, während Lazarus im Himmel, an der Seite Abrahams, getröstet wird.
Der reiche Mann bittet aus seiner Qual heraus um Hilfe, aber eine Umkehr oder ein Wechsel in den Himmel ist nicht mehr möglich; es gibt eine unüberbrückbare Kluft. „Der reiche Mann und der arme Lazarus“ (Lk 16,19–31)
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Im Theaterstück „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“, erzählt Hugo von Hofmannsthal eine etwas andere Geschichte. Ein reicher, egoistischer Lebemann, der unerwartet vom Tod abgeholt wird, muss vor Gottes Gericht treten und findet durch Reue und Glauben im letzten Moment Rettung. Seine Freunde, seine Geliebte und sein Geld verlassen ihn in der Todesstunde. Nur seine guten Taten und sein Glaube retten ihn vor der Verdammnis. Das entspricht allerdings nicht unbedingt dem wahren Leben, denn nach dem Tod des Jedermann würden sich vermutlich alle seine Freunde und Verwandten um sein Geld streiten. „Die Liebe zum Geld ist eine Wurzel alles Bösen.“ (1 Tim 6,10) Nicht das Geld an sich wird verurteilt, sondern die gierige Haltung des Menschen gegenüber dem Geld.
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Unser Dank gilt allen auf und hinter der Bühne. Besonders dem aus Film und Fernsehen bekannten österreichischen Schauspieler Julian Weigend, der unter anderem aus „In aller Freundschaft“ und „Schimanski“ bekannt ist und die Aufführung als Jedermann geprägt hat.
Kurz zu Hugo von Hofmannsthal (1874–1929): Er zählte zu den wichtigsten Vertretern der Wiener Moderne und schrieb die Libretti für bekannte Opern von Richard Strauss. Strauss war von 1889 bis 1894 als zweiter Kapellmeister am Weimarer Hoftheater tätig. Hofmannsthals Denken war stark kulturkonservativ und auf die Idee eines geistigen Mitteleuropas ausgerichtet. Seine Vision eines durch eine gemeinsame abendländische Kultur geeinten Raumes wurde unter anderem durch die Gründung der Salzburger Festspiele im Jahr 1920 sichtbar. Sein Stück Jedermann wurde traditionell unter freiem Himmel auf dem Domplatz in Salzburg vor der beeindruckenden Kulisse des Salzburger Doms aufgeführt. Bei schlechtem Wetter findet die Aufführung im Großen Festspielhaus statt.
Heidrun und Stanislav Sedlacik, Weimar
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