Immer weniger Haushalte haben Festnetz. Die TLZ sammelt Erinnerungen aus einer Zeit, in der Telefonanschlüsse herbeigesehnt wurden. Ein Leser schreibt, was er 1990 erlebt hat:

Ich bin in der alten Bundesrepublik aufgewachsen, und ein Telefon zu haben, war für unsere Familie selbstverständlich. Mein Vater war Pfarrer in einer Evangelischen Diakonissenanstalt, das heißt, wir als Familie hatten einen Dienstanschluss innerhalb des Telefonnetzes des „Diak“.

Ein Ferngespräch in den 60er-Jahren musste immer über die Telefonzentrale des Diak gehen.

Später hatte ich dann an meinen verschiedenen Wohnsitzen eigene Festnetzanschlüsse. In den Jahren 1986/87 übersiedelte ich der Liebe wegen in die DDR. Ich konnte mein in Württemberg begonnenes Vikariat in der damaligen „Kirchenprovinz Sachsen“ fortsetzen und wurde dann im Jahre 1988 Dorfpfarrer – zuständig für mehrere Dörfer – im damaligen Landkreis Naumburg.

Ein Telefon hatte unser Pfarramt in Spielberg nicht. Das bedeutete: Ich verbrachte fast jeden Tag früh am Morgen ab 8 Uhr eine Stunde in der örtlichen Postfiliale, um dort telefonieren zu können. Die Gespräche konnte jeder mithören.

Ich erlebte dann all die aufregenden Wende-Monate in den Jahren 1989/90 intensiv mit: Im März 1990 gab es die Volkskammerwahlen, und im Juli sollte dann die Währungsunion stattfinden.

Vorher aber gab es bei uns in Spielberg das Telefon-Ereignis, das wirklich erzählenswert ist und das sich unsere smartphoneverwöhnte junge Generation nicht wirklich vorstellen kann:


Ulrich Huppenbauer kam unverhofft zu einem Telefonanschluss.
Ulrich Huppenbauer kam unverhofft zu einem Telefonanschluss.© Wieland Fischer

Am 9. Mai 1990 klingelte es bei uns. Es kamen zu unserer Überraschung zwei Vertreter der Deutschen Post. Sie brachten uns ein Telefon und teilten uns mit, dass der Antrag vom 26. Februar 1957 auf einen Telefonanschluss genehmigt sei. Ein Vor-Vorgänger von mir hatte demnach 33 Jahre zuvor einen Telefonanschluss für das Evangelische Pfarramt Spielberg beantragt.

Was lange währte, wurde also schließlich gut. Allerdings war unser neuer Anschluss mit dem Anschluss einer anderen Familie in Spielberg gekoppelt.

Ulrich Huppenbauer, Hainichen

Liebe Leserinnen und Leser. Haben auch Sie etwas zum Thema Telefonie beizutragen? Wir sammeln und veröffentlichen Erlebtes aus einer Ära, als es noch das „Fräulein vom Amt“, das lange Warten auf einen Anschluss und Schwierigkeiten bei der Erreichbarkeit gab. Schreiben Sie gerne an leserbriefe@tlz.de