Nun sind sie also dort angekommen, wo sie vermeintlich hingehören: in der Mitte der Gesellschaft. Was für eine Gesellschaft, was für eine Gemeinschaft ist das denn?
Eine Beutegemeinschaft? Offenbar wurden zunächst alle Kreidevorräte genutzt, um die Wolfsstimme schmeichlerisch klingen zu lassen. Und dann haben sie sogar Hans-Thomas Tillschneider zum Vizepräsidenten gewählt. Armes Sachsen-Anhalt.
Der AfD gelang es zunächst ohne Umschweife, den Mittdreißiger Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten wählen zu lassen. Er bekam deutlich mit 48 Stimmen mehr als es nach der Hufeisentheorie - also dem zu unterstellenden Näheverhältnis der Extreme von AfD und BSW - hätten sein dürfen. Bei Tillschneider waren es 44.
Wohin Sachsen-Anhalt steuert, erst im Landtag und absehbar wohl auch in der Regierung, das müssen sich weit mehr als 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler anrechnen lassen. Sie ermöglichen, was jetzt passiert. Und was droht. Im 100-Tage-Programm ist sehr genau beschrieben, wie weit schnell und entschieden die AfD zu gehen gedenkt.
Nun macht sich die AfD in der Mitte des Landtages von Sachsen-Anhalt breit. Das muss als Warnsignal verstanden werden. Und ist vor allem vom BSW aus Machtgründen ignoriert worden. Die Brandstifter haben noch immer ihren Biedermann gefunden.
Es ist die Grünen-Chefin traut sich was und sagt: Die AfD muss demokratisch in die Zange genommen werden. Das Gelächter der neuen Mitte klingt daraufhin, wie es gemeint ist: furchterregend.
Sachsen-Anhalt ist der Anfang. Wer nicht aufpasst, wacht demnächst in einem Deutschland auf, das wir lange für überwunden hielten.


