Liebe Leserinnen, liebe Leser.
Sagt das überhaupt noch jemand: Altweibersommer?! Das Wort Weib ist zusammen mit dem gemeinen Kerl, dem Fräulein und dem Stenz, dem ewigen Junggesellen und der alten Jungfer aus unserem Sprachschatz in jene sumpfigen Randgebiete verbannt worden, die sich aufzusuchen eigentlich nicht lohnt.
Die altväterlichen Geschlechterbezeichnungen harren dort aus, wo sich heutzutage jene seltsamen Kerle aufhalten, die sich ihre Wangenknochen verletzen, um männlicher zu wirken. Wir reden hier von der Manosphere, von den Incels und den Pick-up-Artists. Das muss irgendwo dort sein, wo Frauen quasi als Rippchen des ewigen Adams gelten. Also dort, wo es richtigen Männern schon lange viel zu doof ist.
Aber in unser aller Ernst: Altweibersommer spielt auf jene langen Spinnwebfäden an, die wohl ein wenig dem dünnen Grau- und Weißhaar älterer Semester gleichen. Und die so schön glänzen im tief stehenden Sonnenschein. Ja, ja, ich weiß: Es wird schon wieder früh dunkel. Zum Monatsende kommt auch noch die Normalzeit zurück. Sommer ade, scheiden tut weh, so sangen die Altvorderen.
Mir gefällt besonders gut das Herbstlied: Bunt sind schon die Wälder, weil da rote Blätter fallen und graue Nebel wallen … Im Nachtlied heißt es, nachdem der Mond aufgegangen ist: „Der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.“ g.sommer@tlz.de


