„Wer sind die Bösen?“, das habe ich meinen großen Bruder früher gefragt. Wir saßen vor einem kleinen Röhrenfernseher und guckten Fußball. Sein Lieblingsteam spielte, aber ich war nicht mehr sicher, ob es die Gelben oder die Roten waren. Er sagte mir dann: „Es gibt keine Bösen!“, damit war mir nicht geholfen.

Warum klare Grenzen ganz oft verschwimmen

In vielen Geschichten gab es immer die Bösen oder zumindest den Bösen, manchmal auch die Böse. Als kleines Kind hat mich das Konzept von Gut und Böse total überzeugt. Heute weiß ich natürlich, dass es die Bösen nur in den Märchen und Geschichten gibt – oder? Zumindest nicht im Sport – oder? Ganz so einfach ist das gar nicht. Vielleicht hat mich das auch so an der Bibel begeistert. Da sind Gut und Böse immer ziemlich klar.

Es hilft, Menschen nicht zu verteufeln und diplomatisch zu sein, anstatt mit Militärrhetorik gegeneinander zu hetzen. Es hilft aber auch, deutlich und bewusst einzustehen für das Gute, an das man glaubt, wenn es vernachlässigt, verdreht oder sogar bekämpft wird.

Richtig handeln als Antwort auf das Böse

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“

Das ist der Spruch für die neue Woche aus dem Römerbrief des Apostels Paulus.

Gutes tun ist nie verkehrt, solange alle Be(nach)teiligten, es auch als gut für sich empfinden. Böses nicht mit Bösem zu vergelten, kann entwaffnend sein. Manche Beziehungen sind uns besonders wichtig. Da streiten und verletzen wir uns. Wenn wir es schaffen, liebevoll zu bleiben, können wir uns versöhnen und miteinander gut sein.

Kraft schöpfen und füreinander da sein

Auch im Alltag gibt es vieles, das uns angreift. Ich kann dem weniger Raum geben. Das befreit mich. Ich blicke auf das, was mir guttut. Daraus ziehe ich Kraft für die Herausforderungen. Wenn wir wirklich Bösem ausgesetzt sind, dann sollten wir das Gute zuerst an uns tun: uns schützen, uns anvertrauen, für uns einstehen, so es möglich ist.

Ich wünsche dir Bewahrung vor Bösem, in welcher Form du es auch erlebst. Ich wünsche uns, dass wir füreinander da sind im Guten, dass wir vor allem Menschen beistehen, die am Rand sind, denen das Gute und die Guten fehlen – das können wir sein, darin steckt Segen.