Kürzlich war ich kurz vor Ladenschluss beim Bäcker, um noch schnell ein Brot zu holen. Schon von außen konnte ich sehen, dass die Verkäuferin mit Aufräumen und Putzen beschäftigt war. Dementsprechend sah sie mich grimmig an, als ich zur Tür hereinkam, und rief mir ein „Es ist Feierabend“ entgegen. Was tun in so einer Situation?
Der Wochenspruch für die kommende Woche lautet: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm 12,21)
Verständnis zeigen statt streiten: Perspektivwechsel im Alltag
Wenn ich damit auf meine kleine Geschichte schaue: Was wäre die richtige Reaktion? Ich versuche einen Perspektivwechsel. Die Verkäuferin war sich sicher: Wer so spät noch in den Laden kommt, kann sich gar nicht vorstellen, was sie dort leistet, den ganzen Tag. Das lange Stehen, der eine oder andere unfreundliche Kunde und sie muss nach der Schicht auch noch zum Elternabend in die Schule.
Das alles hat sie in ihre unfreundliche Zurückweisung gelegt. Ich konnte mich in dieser Situation entscheiden: Konfrontation oder Verständnis. Mein erster Impuls war es, eine Grundsatzdiskussion anzufangen. Ich hatte schließlich auch einen langen Tag und kam nicht umsonst so spät. Aber dann habe ich doch meinen Frust runtergeschluckt und Verständnis gezeigt.
Mit Verständnis und Anerkennung Konflikte lösen
Es ist nur eine kleine Alltagsgeschichte, aber es ist im Kleinen wie im Großen. Oft kommt das vermeintlich Böse aus dem Gefühl, nicht gesehen und anerkannt zu werden, und Konfrontation führt zu neuem Frust. Überwinde das Böse mit Gutem: Verständnis ist entwaffnend, Anerkennung ist stärkend und ich vergebe mir nichts. Es bedeutet nicht, dass mein Bedürfnis weniger zählt, sondern es bedeutet, beide Perspektiven zu sehen.
Man hat das Gefühl, dass in der heutigen Zeit weniger auf Diplomatie gesetzt wird. Vielleicht wissen wir nicht immer, was im Hintergrund läuft an Gesprächen und Verhandlungen, aber das braucht es ganz dringend. Im Kleinen wie im Großen: Perspektiven wechseln, anerkennen und aushandeln. Für die große Politik fordere ich es und im Kleinen muss und darf ich es selbst tun.
Am Ende habe ich doch noch mein Brot bekommen und das war wichtig.


