Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Es war 1990 und es stand schon so gut wie fest, dass Josef Duchač der erste Thüringer Ministerpräsident werden würde. Mein Kollege Frank Karmeyer und ich waren gebeten worden, die Familie für eine Home-Story aufzusuchen. So entstand unter anderem ein Bild, auf dem es so aussah, als koste der Hausherr vom Kochlöffel, den ihm seine Frau entgegenhielt. Was haben wir gelacht. So waren die Zeiten, so gingen Home-Storys.

Das ist eine meiner ersten Erinnerungen an Josef Duchač – und es sollten viele Begegnungen folgen. In seiner Zeit als Ministerpräsident. Ich hatte ihm damals jene Fragen gestellt, die den Unmut in der CDU vor allem vonseiten der Bürgerbewegten wie Klaus Zeh aufgegriffen hatten. Ihr Vorwurf: Er habe die Stasi-Aufarbeitung und die Erneuerung in der Partei schleifen lassen. Bald danach kam Bernhard Vogel …

Wir sahen uns bisweilen auch danach: bei einer Wendezeit-Buchpräsentation im Hotel Elephant oder in Berlin beim Thüringer Adventskonzert. Da hatte er schon einen Augeninfarkt gehabt und das Sehvermögen verloren. Aber er war auf der Höhe der Zeit und das Gespräch so angenehm wie ganz zu Beginn. Nun ist Josef Duchač verstorben. Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen. Ich werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Und mit mir hoffentlich viele Thüringerinnen und Thüringer, die mittlerweile erkannt haben, was er alles seinerzeit angestoßen und bewegt hatte. g.sommer@tlz.de