„Nur wenn wir selbst von unserer Politik begeistert sind, können wir andere begeistern.“ Das alte Lafontaine-Zitat hat auch nach 30 Jahren nichts von seiner Gültigkeit verloren. Hendrik Wüst ist gewissermaßen die fleischgewordene Konsequenz aus dieser Erkenntnis. Der NRW-Ministerpräsident ist am Wochenende von seiner NRW-CDU mit dem Spitzenergebnis von 98 Prozent im Landesvorsitz bestätigt worden, weil er all das nicht macht, was das Wahlvolk zumindest mehrheitlich an der Politik so abstößt: permanent streiten, andere abwerten, polarisieren und provozieren, rhetorische Pflöcke einrammen, Heilserwartungen schüren. Vielmehr hat Wüst den größten Landesverband der Kanzler-Partei in nur vier Jahren komplett auf sich und seine smarte PR-Truppe ausgerichtet, die sich selbst ziemlich gut findet.
Nur wenn Merz im Bund Erfolg hat, funktioniert in NRW dauerhaft die Methode Wüst
Nun könnte man mit CDU-Urahn Helmut Kohl einwenden, entscheidend sei doch, „was hinten rauskommt“. Also harte Regierungsergebnisse. Doch in unversöhnlichen Zeiten, in denen jeden Tag ein ganzer Saustall durchs Dorf getrieben wird, wird es zum Wert an sich, wie der nette Herr Wüst die NRW-CDU und mithin die Gesellschaft zusammenhält. Er hat verstanden, dass Kompromissfähigkeit vorgelebt werden muss. Sogar das alberne Kokettieren mit der Kanzlerkandidatur hat Wüst eingestellt. Vielmehr bildet er nun mit Kanzler Merz, der beim Parteitag ebenfalls konsensorientiert wie nie rüberkam, eine Art Schicksalsgemeinschaft. Nur wenn der Bund die Republik erfolgreich durch die aktuellen Krisen steuert, kann auf Landesebene überhaupt wieder so etwas wie Begeisterung für Politik wachsen.



