Fast verschwunden ist der etwa zehn Meter hohe Mast auf einer Wiese nahe Lossa und Unstrut. Er ist Freitagfrüh umzingelt vom Nebel, als Ronny Schwanke vom gleichnamigen Baumdienst aus Bilzingsleben bei Kindelbrück mit seiner Hebebühne vorfährt. Zusammen mit Vertretern vom Gorslebener Holzbau-Betrieb von Christian Rieger und Sascha Krebs und dem Storchenbeauftragten des Naturschutzbundes (Nabu) im Kreis Sömmerda, Steffen Goldberg, hat Schwanke Großes vor: In luftiger Höhe soll ein „Liebesnest“ für Adebar entstehen. Pünktlich vor der Paarungszeit der Störche.

Mit Menschenhand wird gezielt nachgeholfen, um den anmutigen Tieren auf dem sogenannten Gorslebener Frauenhügel einen möglichst ansprechenden Horst zu bauen, in dem idealerweise im Frühjahr bis Sommer mehrere Jungstörche das Licht der Welt erblicken. Um das zu gewährleisten, waren viele Stunden an Arbeit notwendig. Die Holzbau GbR unter Leitung von Christian Rieger und Sascha Krebs installierte eine im Vorfeld gefertigte hölzerne Unterkonstruktion aus Eiche knapp zehn Meter über dem Erdboden. Drei Arbeiter kostete das einen Arbeitstag, erzählt Christian Rieger am Freitag.
Wir hatten in Gorsleben bis in die 1980er Jahre das letzte dauerhafte Brutpaar bei den Störchen.
Claudia Wicht

Auf diese Holzkonstruktion, die über dem einstigen Strommast thront, wird der eigentliche Horst platziert: Der ist von Oberbösaer Korbflechtern handgemacht, geflochten aus Weidenruten. Insgesamt zwei Nisthilfen wurden in Oberbösa gefertigt und vom Nabu des Kyffhäuserkreises bezahlt, ergänzt Claudia Wicht von der Naturparkverwaltung der Naturparke Kyffhäuser und Südharz. Sie und Nabu-Vertreter Karsten Nent freuen sich über die zwei neuen Nisthilfen auf dem Frauenhügel und auf einer Wiese, unweit entfernt des ersten Standortes.

Neue Storchenhorste bekommen Kalk-Anstrich
Seit 2018 gab es das Nest auf dem einstigen Strommast des Frauenhügels. Im letzten Herbst fiel es buchstäblich auseinander, erinnert sich Gorslebens Ortsvorsteher Dietmar Strickrodt. Ein neues musste her. Gesagt, getan. Auch der zweite Horst ist mehr als reparaturbedürftig.
Storchenbeauftragter Steffen Goldbeg hat schon viele Storchenhorste in der Natur installiert. Manchmal besetzen Störche neue Horste nicht.
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Um das zu vermeiden, hilft Goldberg raffiniert nach: „Ich täusche an, dass der Horst schon mal besetzt war“, erzählt er vor dem Zur-Tat-Schreiten. Hackschnitzel mit darauf ausgebreitetem Heu oder Stroh sorgen für den weichen Untergrund; Äste werden ins „Nest“ gelegt, um dem menschengemachten Horst ein natürlicheres Aussehen zu verleihen. Und zum Abschluss verteilt er hochoben noch ein bisschen weiße Kalkfarbe. Fertig. Statt Hackschnitzel werden in Gorsleben Hobelspäne im „Nest“ verteilt.

Letztes Jahr etwa 40 Jungtiere
Der erste Storch landete übrigens bereits am 14. Januar im Kyffhäuserkreis, und zwar in Voigtstedt, weiß Nent. Aber auch in Heldrungen ist Adebar inzwischen eingeflogen – wieder auf einer Kastanie mitten in der Stadt. Und auch die beiden Borxlebener Störche haben ihren Horst bereits „bezogen“, sagt Storchenbeauftragter Goldberg, der inzwischen auch im Kyffhäuserkreis kartiere, nach Horsten und deren Belegung und später im Jahr auch nach Jungtieren schaut.

„Wir hatten in Gorsleben bis in die 1980er Jahre das letzte dauerhafte Brutpaar bei den Störchen“, betont Wicht und erinnert sich an eine Scheune, die vor vielen Jahren bei Adebar besonders beliebt war. Diese Scheune gibt es so nicht mehr, aber: „Ganz Gorsleben wünscht sich die Störche wieder hierher“, hofft sie, dass in den neuen Storchennestern bald Jungtiere zu erblicken sind.
Allein im letzten Jahr gab es laut Karsten Nent etwa 14 Brutpaare im Kyffhäuserkreis. „Der Bruterfolg lag bei ca. 40 Jungtieren, die ausgeflogen sind“, so Nent weiter. Womöglich kann dieses Ergebnis in diesem Jahr getoppt werden.


