Von der negativ-konnotierten Körperbemalung hin zum hippen Haut-Accessoire: Gefühlt werden Tattoos immer gesellschaftsfähiger. Das spüren auch die Veranstaltenden von Thüringens größter Tattoo-Convention, die Samstag und Sonntag in der Stadthalle in Gotha stattfindet. An zwei Tagen gibt es dort ein Programm, das unter die Haut geht – oder zumindest bis in die Dermis. Das ist die mittlere Hautschicht, in der sich Zellen nicht so häufig erneuern.
Gotha zeigt Tattoo-Trends: Zwischen Retro-Comeback und Moderne
Und wo wir gerade bei neu sind: Laut Gerd Rothaug, dem Sprecher der Tattoo-Messe in Gotha, werden dort auch aktuelle Trends zu sehen sein. Darunter: „Aktuell etwa feine, minimalistische Linework-Tattoos, botanische Motive oder Micro-Realism.“ Mit letzterem werden winzige, detailreiche Tattoos wie Mini-Porträts oder feine Symbole benannt, die fast wie Hautschmuck wirken.
Zwischen Trash und Kunst: Tattoo-Vielfalt in Gotha erleben
Wer es farbenfroher mag, liegt mit dem „Color Revival“ richtig: kräftige Farben und verspielte Retro-Ästhetik sind zurück. Ebenso seien geometrische Designs stark im trenden. „Trotzdem gibt es Klassiker, die nie aus der Mode kommen: Traditionelle Tattoos, Schriftzüge mit Bedeutung, Tiere oder Symbole bleiben Dauerbrenner“, erklärt Rothaug im Interview mit unserer Zeitung und fügt an: „Das Schöne an Tattoos ist, dass sie persönliche Geschichten erzählen. Es geht nicht nur um Ästhetik, sondern auch um persönliche Geschichten – und die sind zeitlos.“
Tattoo Convention in Gotha
- Wann: 30.August 11 bis 23 Uhr | 31.August von 11 bis 19 Uhr
- Wo: Stadthalle Gotha
- Mehr Informationen zur Veranstaltung
„Apro-(Po)s“ ohne Verfallsdatum: Gleichzeitig feiern in der Tattoo-Szene alte Bekannte ein Comeback: zum Beispiel die Arschgeweihe oder – Achtung! diskriminierende Sprache – „Nuttenstempel“, wie sie in vorfeministischen Zeiten abfällig bezeichnet wurden.
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Damit sind Hautbilder am unteren Rücken gemeint, die schon mal in den 2000er-Jahren an den Maurer-Dekolletees der Republik hervorblitzten – um den ironischen Spieß in der diskriminierenden Gendersprache mal umzudrehen. Und wo wir gerade bei Umdeutung sind: Genau das passiert derzeit mit den Arschgeweih-Tattoos, denn die Gen-Z (zwischen 1995 und 2010 Geborene) trägt diese mittlerweile als freches Empowerment-Statement.
Von Tribal bis Trash: Tattoo-Vielfalt auf Gothas Messe
Mit der Mainstreamwerdung der Technomusik sowie deren Verbreitung via TikTok und Instagram freuen sich auch 90er-Tribal-Tattoos über zunehmende Beliebtheit. Tribal-Tattoos sind Tätowierungen, die sich an den Mustern und Symbolen verschiedener indigener Kulturen orientieren, in der westlichen Tattoo-Szene häufig jedoch losgelöst von ihrer kulturellen Bedeutung genutzt wurden und nicht zuletzt deshalb in den 2000er-Jahren in popkulturelle Ungnade fielen.
„Tattoos sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“
Insgesamt zeigt sich: Tattoos sind 2025 so vielfältig wie nie – von minimalistischen Trash-Stickern bis zu aufwendigen Kunstwerken ist alles dabei. Das weiß auch Gerd Rothaug, der bestätigt, dass Tattoos in den letzten Jahren einem absoluten Imagewechsel unterworfen waren: „Früher eher ein Zeichen für Gefängnisaufenthalt oder Seefahrt, anschließend eher versteckte Tattoos, sind sie jetzt in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, erklärt der Tattoo-Convention-Veranstalter, laut dem Tattoos heute ein kreatives Statement und ein Stück Identität sind, das man stolz trägt.
„Sie sind auch nicht mehr geschlechts- oder altersbedingt, auch dank prominenter Vorbilder, offenerer Schönheitsideale und einer neuen Generation, die Vielfalt und Selbstbestimmung feiert“, erklärt er und fügt an: „Auf unserer Messe spüren wir ganz klar: Tattoos sind kein Tabu mehr, sondern Ausdruck von Stil, Persönlichkeit und Individualität.“
Modernster Technik und höchsten Hygienestandards
Und Trend hin oder her, wie bei allem im Leben gilt: Qualität und Aufklärung sind entscheidend. „Gerade in Deutschland und auch vielen anderen Ländern ist das Tätowieren streng reguliert. Erfahrene und seriöse Tattoo-Studios, wie sie auf unserer Messe vertreten sind, arbeiten mit zertifizierten Farben, modernster Technik und höchsten Hygienestandards“, so Gerd Rothaug. Natürlich sollte man sich gut informieren, aber wer sich für ein professionelles Tattoo entscheidet, müsse sich in Gotha und Deutschland keine Sorgen machen. Denn wie beteuert der Messe-Chef so schön: „Tattoos sind heute so sicher wie nie und ein wunderschöner Weg, die eigene Geschichte auf der Haut zu erzählen.“




