Am 15. November verwandelt sich der Central Club Erfurt in eine Bühne für Lust, Musik und Selbstentfaltung. Die Kinky-Party „Tabulos“ will mehr sein als ein erotischer Clubabend – sie versteht sich als Statement für Offenheit, Konsens und bewussten Hedonismus. Hinter dem Projekt steht ein thüringenweites Kollektiv aus Künstlerinnen, DJs und Performerinnen, das mit Herzblut an einem neuen Verständnis von Clubkultur arbeitet.

Kinky-Erotik trifft auf düstere Beats: Tabulos in Erfurt erleben   

Maßstab ist der Kitkat-Club in Berlin. Nicht irgendein weiterer Kinky-Party-Abklatsch. Tabulos bietet mehr: Liegewiesen, erotische Performances, Käfige, Andreaskreuze, tanzende Körper, pulsierende Beats. Was nach einem nebulösen Underground-Event klingt, ist in Erfurt längst kein Geheimtipp mehr. Die Tabulos-Partyreihe, die am 15. November erneut in den Central Club einzieht, lotet Grenzen aus – ästhetisch, sozial und manchmal auch körperlich.

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„Wir wollten eine Veranstaltung schaffen, bei der sich Menschen frei entfalten können, ohne Scham oder Urteil“, sagt Veranstalter Mike, der gemeinsam mit Sarah Teil des Orga-Teams ist. Das Herzstück sei dabei nicht die Erotik, sondern das Miteinander: „Es ist keine Swingerparty. Wir sind eine Tanzveranstaltung mit der Option, mehr zu erleben – aber im Kern geht’s ums Feiern, ums Connecten.“

Tabulos Party

Tabulos bietet in Erfurt mehr als Beats und Performances

Laut den beiden besteht das Tabulos-Team aus rund 20 Mitgliedern – DJs, Performer:innen und befreundeten Künstler:innen aus ganz Thüringen. Viele engagieren sich ehrenamtlich, weil sie das Konzept überzeugt: weg von „weichgespülten“ Mainstream-Kinky-Partys, hin zu authentischer, sex-positiver Clubkultur.

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„Wir gehen selbst gern auf Kinky-Partys“, erzählt Mike. „Aber vieles ist zur Mode geworden – bisschen Latex, bisschen Beats, und das war’s. Uns ging es darum, den ursprünglichen Spirit wiederzubeleben: echte Freiheit, gegenseitiger Respekt und ein Raum, in dem nichts bewertet wird.“

Tabulos in Erfurt: Lustvolle Begegnungen mit bewusstem Hedonismus

Dass hinter der sinnlichen Oberfläche ein strukturiertes Konzept steckt, wird schnell deutlich. Es gibt klare Regeln: keine Handys, kein Übergriff, kein Zwang. Wer dagegen verstößt, fliegt raus. „Diskretion ist uns wichtig, aber vor allem wollen wir, dass die Leute wirklich im Moment sind“, sagt Mike. „Ohne Selfie, ohne Likes, kein ständiges Aufs-Display-Gucken – einfach erleben.“

Tabulos-Party verwandelt Erfurts Central Club
Ein Kinky-Event der anderen Art: Tabulos bietet in Erfurt mehr als Beats und Performances.© Funke Medien Thüringen | Michael Haak

Musikalisch bedient Tabulos drei Welten: treibenden Techno, melodiösen House und dunklen Darkwave im Stil von Depeche Mode. DJs aus Wien, Leipzig und Erfurt sorgen für den Soundtrack der Nacht. Parallel laufen Live-Performances – von Fesselkunst über Wachsspiele und Spanking mit diversen Schlagwerkzeugen bis zu Tanz-Inszenierungen. „Unsere Fesseltruppe besteht aus acht Leuten, die das mit Leidenschaft machen und den Gästen das näherbringen“, erklärt Mike. „Da passiert nichts zum Selbstzweck – das ist Interaktion, keine Zirkusnummer.“

Darkwave, Fesselkunst und ein starkes Statement für Offenheit und Respekt

Die „Playarea“ auf der Empore ist abgeschirmt, zugänglich nur für Paare und Neugierige, die sich respektvoll begegnen. „Alles kann, nichts muss – Konsens ist Gesetz“, betont Sarah. Für sie sei der Reiz der Veranstaltung, dass hier Menschen zusammenkommen, die Lust auf Begegnung haben – auf Augenhöhe, ohne Klischees.

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Wer in Jeans und T-Shirt auftaucht, wird an der Tür freundlich, aber bestimmt abgewiesen. Der Dresscode gehört zum Konzept. „Das hat nichts mit Oberflächlichkeit zu tun“, sagt Sarah. „Es zeigt, dass man sich mit der Idee auseinandergesetzt hat.“ Männer in Alltagskleidung hätten da schlechte Karten, auch Frauen dürfen kreativer sein. „Und wir wollen auch mal weg vom Einheitsschwarz – mehr Farbe, mehr Mut, mehr Glitzer!“, fügt Mike hinzu und lacht.

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Willkommen ist aber generell jeder. Die Mischung machts laut Sarah: „Wir wollen neue Leute dazu holen, neugierige Menschen, die mal reinschnuppern wollen.“ Viele „alte Hasen“ sind da zwar manchmal skeptisch, aber die Szene brauche Nachwuchs. „Und bei uns muss niemand irgendwas machen – alles kann, nichts muss.“

Tabulos-Party verwandelt Erfurts Central Club
Die Tabulos-Party verwandelt Erfurts Central Club in eine Bühne für Freiheit und Experiment. Kunstvolle Performances treffen auf Techno, Darkwave und House.© Funke Medien Thüringen | Michael Haak

Ein zentraler Punkt von Tabulos ist zudem der Sicherheitsaspekt. „Viele Frauen fühlen sich hier wohler als in einem normalen Club“, sagt Sarah. „Man kann flirten, tanzen, neugierig sein – ohne Angst, bedrängt zu werden.“ Dafür sorgt ein Awareness-Team, das sowohl sichtbar als auch undercover arbeitet. Es beobachtet das Geschehen, greift bei Bedarf dezent ein und achtet darauf, dass die Regeln eingehalten werden.

Der Central Club als Freiraum für Kunst, Musik und Selbstentfaltung 

Dass Tabulos nicht nur in Erfurt auf Interesse stößt, zeigt der Blick auf die Gästeliste: Menschen reisen aus Stuttgart, Berlin oder sogar London an, wie die beiden berichten. Denn die Szene in Thüringen ist jung und wächst – aber engagiert: „Wir leben hier vielleicht nicht in Berlin, aber das Bedürfnis nach Freiraum gibt’s auch bei uns“, sagt Mike.

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Die Veranstaltenden verstehen Tabulos als Einladung, eigene Grenzen zu erkunden – nicht als Aufforderung, sie zwanghaft zu überschreiten. „Es geht nicht um Sex an sich, sondern um Ästhetik, Körperbewusstsein und die Freude am Ausdruck“, erklärt Mike. „Viele Gäste sagen, sie fühlen sich danach befreit – und genau das ist unser Ziel.“

Pulsierende Beats und offene Atmosphäre

Mit Unterstützung des Central Clubs will das Team das Konzept langfristig etablieren. „Wir wollen wachsen, aber nicht beliebig werden“, sagt Sarah. Und noch ein kleiner Tipp von den beiden zum Schluss: Am einfachsten sei es für Einsteiger:innen, wenn man zum ersten Mal mit Freunden die Party besucht.“ Erstmal ins Gespräch kommen, ganz locker, ohne Druck“, erklärt Sarah. „Die Leute sind freundlich und offen. Da findet man schnell Anschluss“ – egal ob beim Tanzen auf den drei Dancefloors oder Tabulos im Playareal …