Andreas Dresen ist ein Meister der glaubhaften Unterhaltung. Mit „Halbe Treppe“ oder „Als wir träumten“ hat er dem Plattenbau gedrehte Denkmäler gesetzt und mit Biografien von rissiger Resilienz gefüllt. Dresens Filme sind so real, dass der Regisseur auch abseits der Kamera Wahrhaftigkeit beanspruchen darf. Was er während des Film- und Serienfestivals TeleVisionale in seiner Rolle als Jury-Vorsitzender über „Colonius“ sagte, gilt für den „Tatort“ folglich ebenso wie für die Veranstaltung insgesamt: „Wirkung geht halt manchmal vor Logik.“

Andreas Dresen ist Jury-Vorsitzender bei der TeleVisionale in Weimar.
Andreas Dresen ist Jury-Vorsitzender bei der TeleVisionale in Weimar.© TeleVisionale | Sophie Schüler

Beim Kölner Krimi ging es ihm nur um ein paar dramaturgische Ungereimtheiten am Set. Beim Branchentreff ringsum dagegen geht es allen hier um hausgemachte Fiktionen, die ungeachtet logischer Zwänge qualitativ und quantitativ gleichermaßen Wirkung zeigen. Ergo: erfolgreich sind. Die Gesellschaft, Menschen, Kultur in ihrer Gesamtheit abbilden und dennoch Einzelschicksale ernst nehmen. Die entertainen, aber auch informieren und vor allem: überhaupt erstmal entstehen.

In welcher Bandbreite dies geschieht, haben die Vorführungen mit öffentlicher Preisgerichtsdebatte abermals gezeigt. Der Ruhrpott-Western „Theken-Cowboys“, das Entertainer-Biopic „Rosenthal“, die Coming-of-Age-Serie „Chabos“ – alle auf dem Podium nicht unumstritten, aber durchweg hochwertig geschrieben, gedreht, gespielt. Nur: Wie kompliziert die Realisierung solcher Perlen künftig bleiben wird – das zeigte der erste Höhepunkt am neuen Standort Weimar.

Auch interessant

Finanzierung von Fiktionen

Spät am Nachmittag diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel medienpolitischer Akteure im rappelvollen Flügelsaal über die Finanzierung hiesiger Fiktionen. Denn auch in der Medienwirtschaft, das machte Michelle Müntefering als Geschäftsführerin der Produktionsallianz vorab in ihrer Keynote deutlich, fühle es sich nicht nach „konjunktureller Delle, sondern existenzieller Bedrohung“ an.

Sonntag

Der Gute Woche-Newsletter

Alles Gute aus Thüringen in einem Newsletter - jede Woche gute Nachrichten

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Dank der frisch reformierten Filmförderung fließt mit 250 Millionen Euro künftig zwar das Doppelte an Bundesmitteln in die Branche. Aber „nach der Reform ist vor der Reform“, beteuert Müntefering. „Wir brauchen Planungssicherheit.“ Und zu der gehören Steueranreize ebenso wie Investitionsverpflichtungen – idealerweise in Gesetzesform, wie Constantin-Geschäftsführerin Laura Machutta eher rief als sagte.

Angesichts sinkender Budgets trotz steigender Kosten sei die Situation „katastrophal“. Ein dystopischer Sound, den die Herbstumfrage der Produktionsallianz mit einer bedrückenden Zahl untermauert: 85 Prozent ihrer Mitglieder bewerten ihre Wirtschaftslage als schlecht – fast dreimal mehr als vor drei Jahren.

Auch interessant

Kahlschlag der Wendezeit

Zumal technische Entwicklungen wie KI aus Sicht von Donald Jenichen, in der ZDF-Programmdirektion fürs Produktionsmanagement verantwortlich, „gewaltige Umwälzungen der Bereiche Produktion, Distribution, Rezeption“ mit sich bringen. Umso mehr beteuert das Podium, wie wichtig Optimismus sei.

Oder wie es Steffen Grimberg vier Stunden zuvor an gleicher Stelle schon im Titel seiner Keynote zum Blütestand der ostdeutschen Medienlandschaft formuliert hatte: „Jetzt geht es vorwärts“. Die Branche leide zwar bis heute unterm Kahlschlag der Wendezeit. Trotz aller Risiken, betonte der KNA-Mediendienstchef vor 80 Gästen zur Mittagszeit, schaffe der „permanente Transformationsprozess“ aber auch Chancen.

Auch interessant

Zumindest, sofern „nicht über die Köpfe der Menschen hinwegsendet“ werde. Ein Appell, der sich nicht nur, aber besonders an öffentlich-rechtliche Anstalten unterm Beschuss reaktionärer Kräfte richtet. Wer Désirée Nosbusch hört, könnte da bereits Hoffnung schöpfen.

Kurz vor ihrem Amtsantritt als Leiterin der Serien-Jury beteuerte sie im Siebzigerjahre-Mobiliar der Weimarhalle, „wie groß die Qualität deutscher Serien und Fernsehspiele“ sei. „Wir müssen unser Licht da echt nicht unter den Scheffel stellen“. Die TeleVisionale zeigt noch bis zur Preisverleihung am Freitag, warum.