„Eigentlich schaue ich gar nicht mehr so oft Fernsehen“, sagt Michael, und KiKA laufe inzwischen seltener. Er sei mehr auf YouTube unterwegs, schaue Gaming-Videos oder Dokumentationen, oder auch die Tagesschau. Trotzdem ist der Schüler nun Teil des 4. KiKA Kinderredaktionsrats, denn er möchte Veränderungen anstoßen und dafür sorgen, dass der Anbieter auch für ältere Kinder noch ansprechender wird. Aktuell geht er in die 7. Klasse: „Da guckt fast niemand KiKA, das wird abgestempelt als für Kleinkinder.“

KiKA Kinderredaktionsrat Michael
Der zwölfjährige Michael aus Thüringen bringt ganz viele Ideen mit in seine Amtszeit bei KiKA.© Funke Medien Thüringen | Sophia Klefisch

Zudem finde er es wichtig, dass Kinder bei ihrem eigenen Programm mitentscheiden können. „KiKA muss wissen, was Kinder wirklich gucken wollen“, sagt er – daher seien auch unterschiedliche Alter im neuen Team vertreten. Er ist mit zwölf der Älteste, das jüngste Mitglied ist erst neun Jahre alt. „Wir können für andere Kinder sprechen.“

Dieses Feedback werde gerne angenommen, sagt Tina Hertzer aus der KiKA Unternehmenskommunikation, mit einem Lachen: „Wir sind kritikfähig und wollen stetig besser werden.“ Man habe schon länger nach einem Weg gesucht, ganz direkt und über längere Zeit mit Kindern in Kontakt zu sein – 2022 wurde so der erste KiKA-Kinderredaktionsrat ins Leben gerufen. Mittlerweile würden viele Abteilungen diese Aktion mit Begeisterung unterstützen, und im Zweifel könne immer gesagt werden: „Wir haben hier die Kids, fragt sie doch einfach.“

KiKA Kinderredaktionsrat: Sechs setzen sich durch

Michaels Mutter habe die Ausschreibung entdeckt, zwei Tage brauchte er für sein Bewerbungsschreiben. Aber es lohnte sich. Mehrere hundert Kinder aus ganz Deutschland haben sich gemeldet, sagt Tina Hertzer. Sechs haben es geschafft, mit dabei sind neben Michael noch Margarete, Johanna, Jonathan, Nils und Maggy. „Ich hab mich echt gefreut“, sagt Michael strahlend, „und war erstaunt, als ich mitbekommen habe, dass sich so viele beworben haben.“

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Beim Auftakttreffen im Oktober hat sich die Gruppe zum ersten Mal getroffen und einige Tage gemeinsam verbracht. Als einziger Thüringer kannte Michael natürlich Erfurt und die KiKA Figuren schon, alle anderen haben die Stadt bei einer Rallye kennengelernt. Seine Lieblingscharaktere konnte er dabei leider nicht zeigen, denn die Erdmännchen Jan und Henry stehen ein wenig außerhalb beim Zoopark. Auf dem Programm stand außerdem ein Besuch bei der Regie und beim Baumhaus-Set sowie erste Meetings.

"Kindheit, Geborgenheit, Bildung" - Zukunft des Kika bewegt viele
Das Sandmännchen sitzt hinter der Kraemerbruecke in der Erfurter Innenstadt (Archiv-Bild).© epd | Paul-Philipp Braun

Planungsrunden für den Weltkindertag

„Wir haben Ideen für das Programm zum Weltkindertag 2026 gesammelt“, erzählt Michael. Das sei auch in den alle zwei Wochen stattfindenden Online-Sitzungen weiterhin Thema. Zunächst habe sich der Kinderredaktionsrat auf drei große Bereiche geeinigt, bei einer Abstimmung im Netz fiel die Wahl auf den Themenblock „Natur, Tiere und Umwelt.“ Dazu haben die Kinder nun gezielt passende Sendungen herausgesucht, zum Beispiel „Anna und die Tiere“.

KiKA Kinderredaktionsrat 2025/2026
Auftakttreffen des Kinderredaktionsrates beim Kinderkanal in Erfurt, von links: Jonathan, Michael, Maggy, Margarete, Nils und Johanna.© KiKA | Antje Stiller

Es solle eine Mischung aus Wissen und Unterhaltung sein, sagt Michael. Sie haben auch darüber gesprochen, wann welche Sendung geschaltet werden soll. Bei dem Programm von „Team Timster“ können die Kinder sogar die Inhalte mitbestimmen und entscheiden, was in der Sendung am 20. September 2026, dem Weltkindertag, passieren wird.

Klimawandel und YouTuber als mögliche Programmpunkte

Das Thema Umweltschutz ist Michael sehr wichtig, immer wieder kommt er im Gespräch darauf zurück. „Auch in Thüringen ist das Waldsterben ein großes Problem, wir könnten darauf aufmerksam machen, wie man selbst helfen kann“, sagt der Zwölfjährige. Beim Wandern sehe er deutlich, wie neben grünen Flächen teils „riesige kahle Flecken“ in der Natur sind. Praktische Tipps des Jungen folgen: Man könnte sich einer Gruppe anschließen, die gemeinsam Müll sammelt oder Bäume pflanzt. Und bei KiKA könnte zum Beispiel ein „Tutorial“ erstellt werden, wie man den Müll richtig trennt.

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Politische Inhalte – „was in der Welt so los ist“ – und mehr Aufklärung über die Risiken von Medien sieht er ebenfalls als wichtige Bereiche für KiKA an. Ein weiterer Vorschlag ist, hin und wieder YouTuber einzuladen. „Kinder stellen sich vor, man muss nur ein Video machen und dann wird man reich“, sagt er. YouTuber könnten darüber sprechen, wie es wirklich abläuft, um falsche Vorstellungen abzubauen.

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Er freue sich darauf, in seinem Jahr bei KiKA viel darüber zu lernen, wie die Abläufe beim Fernsehen so funktionieren. Sein Terminkalender scheint eigentlich schon recht voll zu sein, wegen des Badminton-Trainings und eines Tastaturkurses sei der regelmäßige Termin extra für ihn angepasst worden. Aber die Motivation ist da, und die Einblicke ins Fernseh-Geschehen nützlich in Hinblick auf eine mögliche Zukunft: „Vielleicht möchte ich irgendwann als Reporter arbeiten.“