Es hat nicht sollen sein. Donnerstagfrüh (Ortszeit) wurden in Los Angeles die Nominierungen für die Oscar-Verleihung 2026 bekannt gegeben. Aber der deutsche Beitrag „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski hat es in der Kategorie „Bester internationaler Film“ nicht in die Endrunde geschafft. Trotz der Begeisterung der Kritiker. Und dem Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes, wo Schilinski als erstes deutsches Talent seit 41 Jahren ausgezeichnet wurde.
Deutschland ist zumindest als Co-Produzent noch mit im Rennen
Der Trend zeichnete sich indes schon vergangene Woche beim Europäischen Filmpreis ab, wo das Drama der Berliner Filmemacherin nicht gegen die anderen beiden Favoriten, „Sentimental Value“ aus Norwegen und „Sirât“ aus Spanien, ankam. Diese beiden sind nun auch beim Auslands-Oscar dabei, wie „Ein einfacher Unfall“ von Jafar Panahi (als französischer Kandidat), das tunesische Gaza-Drama „Die Stimme von Hind Rajab“ und der brasilianische Thriller „The Secret Agent“.
Deutschland kann dennoch etwas mitfiebern, weil es sowohl bei „Sentimental Value“ als auch bei „The Secret Agent“ koproduzierend vertreten ist. Und die haben noch weitere Chancen. Im Gegensatz zu früher, wo fremdsprachigen Filmen meist nur diese eine Kategorie vorbehalten blieb, kommt „The Secret Agent“ auf vier, „Sentimental Value“, der gerade beim Europäischen Filmpreis absahnte, gar auf neun Nominierungen. Beide sind auch in der Hauptkategorie „Bester Film“ im Rennen.

Die größte Überraschung bei den Nominierungen ist aber, dass ausgerechnet ein Vampirfilm einen Rekord bricht. Der US-Film „Blood & Sinners“, der den Rassismus in den Südstaaten der 30er-Jahre mit den Mitteln des Horrorfilms exorziert, ist ganze 16 Mal nominiert. Bislang waren 14 Nominierungen Rekord, und das gab es in der Geschichte des Oscars auch nur dreimal: 1951 mit „Alles über Eve“, 1998 mit „Titanic“ und 2017 mit „La La Land“. Spielt „Blood & Sinners“ wirklich in derselben Liga? In diesem Jahr gibt es die neue Kategorie „Casting“, für die der Vampirfilm auch nominiert ist. Eine Rolle dürfte aber auch spielen, dass es Hollywood ernst meint mit Vielfalt und Diversität. Die #OscarsSoWhite-Diskussion hat dafür gesorgt.
Nur auf Platz zwei kommt Paul Thomas Andersons Gesellschaftssatire „One Battle After Another“ mit Leonardo DiCaprio und 13 Nominierungen. Danach folgen „Marty Supreme“ mit Timothée Chalamet und „Sentimental Value“ mit je neun und dann das Shakespeare-Drama „Hamnet“ mit acht Nominierungen. Insgesamt wird der Oscar in 24 Kategorien vergeben. Bei der Regie trifft „Blood & Sinners“-Regisseur Ryan Coogler auf Chloé Zhao („Hamnet“), Josh Safdie („Marty Supreme“), Paul Thomas Anderson und Joachim Trier („Sentimental Value“).
Bei den Schauspielerinnen treten Jessie Buckley („Hamnet“), Rose Byrne („If I Had Legs I’d Kick You“), Kate Hudswon („Song Sung Blue“), Renate Reinsve („Sentimental Value“) und Emma Stone („Bugonia“) gegeneinander an, bei den Schauspielern Chalamet, DiCaprio, Michael B. Jordan („Blood & Sinners“), Wagner Moura („The Secret Agent“) und Ethan Hawke („Blue Moon“). Die Oscars werden am 15. März in Los Angeles verliehen. Wird dann auch ein Rekord gebrochen? Bislang waren elf Trophäen der Höhepunkt. Auch das gelang nur dreimal: mit „Ben Hur“ (1960), Titanic“ und „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ (2004).


