Kunterbunte Bücher in Regalen und auf Thementischen – dazwischen passende Merch-Produkte: glitzernde Zaubertränke, Muffins, bedruckte Beutel mit dem Slogan „In my Hockey Romance Era“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Second Chances Verlags sind noch dabei, Kartons auszupacken, als sich bereits eine Schlange vor dem Stand auf der Leipziger Buchmesse bildet. Viele wollen die frischgedruckte Sonderausgabe des Erfolgsromans „Heated Rivalry“ erhaschen – unerwartet muss auch die Verlagschefin beim Verkauf einspringen.
Verlag aus Thüringen stellt auf der Buchmesse Leipzig aus
Der Thüringer Verlag „Second Chances“ hat ein ganz eigenes Konzept, der Name ist dabei Programm: Gründerin und Übersetzerin Jeannette Bauroth gibt Büchern eine zweite Chance, oftmals indem sie unvollständige Reihen komplettiert. In der Regel handele es sich dabei um Übersetzungen.
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- Wann: 19. bis 22. März
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„Wenn es im Englischen schon drei Teile einer Trilogie gibt, aber im deutschen Verlag zum Beispiel nur zwei erschienen sind, dann gucken wir uns das an: Ist es sinnvoll, den dritten Band noch auf Deutsch zu bringen, oder will ihn vielleicht keiner lesen?“, erklärt Bauroth. Dabei habe der Verlag vor allem die Leserinnen und Leser im Blick, diese sollen die Chance haben, die komplette Reihe lesen zu können – „so wie es von der Autorin oder dem Autor gedacht war“.

Darüber hinaus habe Bauroth Bücher im Verlagsprogramm, die ihrer Meinung nach absolut einen Platz auf dem deutschen Buchmarkt verdient hätten. Eines dieser „Underdogs“, wie sie Bauroth nennt, war der Roman „Heated Rivalry“ der kanadischen Schriftstellerin Rachel Reid. Die Buchrechte des ersten Bandes sicherte sich der Second-Chances-Verlag, als sie in Deutschland niemand haben wollte – mittlerweile wurde das englische Original verfilmt.
Die Folge: Der regelrechte Hype um die Romanze zwischen zwei männlichen Hockey-Spielern bescherte dem Verlag unerwartete Aufmerksamkeit. Die deutsche Übersetzung verkauft sich so gut, dass die Rechte der Fortsetzungen auf einer Auktion versteigert wurden – Bauroth ging dabei leer aus.
Second-Chances-Verlag fördert queere Sichtbarkeit in der Literatur
Das scheint die Verlegerin jedoch nicht zu demotivieren, im Gegenteil. Bauroth hofft, dass der Erfolg von „Heated Rivalry“ eine Veränderung für das Genre und die Buchwelt mit sich bringt, dass queere Themen eine breitere Zielgruppe erreichen. Es sei schon lange Anliegen des Second-Chances-Verlags, diese Themen in der Literatur sichtbar zu machen. Steinbach-Hallenberg im Landkreis Schmalkalden-Meiningen sei dafür zwar nicht der einfachste Standort, aber genau deshalb sei es wichtig, Flagge zu zeigen und neue Berührungspunkte zu schaffen.
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Größtes Kompliment sei das Feedback der Leserinnen und Leser: Viele fänden sich das erste Mal in den Büchern gesehen und ernst genommen. Das sei insbesondere in der Unterhaltungsliteratur, die der Second-Chances-Verlag publiziert, von großer Bedeutung. „Es geht dabei auch um Leichtigkeit, darum, dass nicht immer alles tragisch sein muss, nur weil eine Person queer ist. Stattdessen gibt es das Versprechen: Happy End für alle“, erläutert Bauroth. „Ich habe das Gefühl, das ist gerade in den heutigen Zeiten superwichtig.“

Bedeutsamer als die finanziellen Einnahmen durch „Heated Rivalry“, sei die neue Sichtbarkeit des Second-Chances-Verlags. Im Gegensatz zu anderen Verlagen habe Bauroth viele queere Titel im Programm – „Wenn diese auch nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit bekommen, ist das ein toller Effekt.“ Als Nächstes werden unter anderem zwei Romane zum Thema Asexualität erscheinen, sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche.
„Mit zunehmendem Erfolg potenziert sich nicht nur das Gute“
Die Agenda des Second-Chances-Verlags stoße jedoch auch auf Gegenwind. Bauroth erhalte schon immer Kritik, für die Literatur, die sie publiziert – das sei durch den jüngsten Erfolg nicht weniger geworden. Mittlerweile habe sie gelernt, Negatives auszuhalten, mit Personen, die nicht zum Umdenken bereit sind, brauche man nicht zu diskutieren. Das Verlags-Team spare seine Energie lieber für jene, die echte Fragen haben.
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Ebenso pragmatisch blickt Bauroth auf mögliche Entwicklungen des Buchmarktes und der Filmindustrie. Ob die Begeisterung um „Heated Rivalry“ und andere queere Romane anhält, werde sich zeigen.

Sonntag
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Trotzdem sehe sie die aktuellen Entwicklungen als Erfolg: Die Serienadaption habe gezeigt, dass man queere Liebe mit einer gewissen Selbstverständlichkeit darstellen könne, anstatt die Buchvorlage abzuflachen. „Man darf erotische Szenen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen zeigen, ohne dass man Angst haben muss, dass man damit Publikum verprellt. Im Gegenteil: Man erschließt sich eine Zielgruppe, die bis jetzt viel zu kurz gekommen ist“, betont Bauroth.
Sie wünscht sich, dass zukünftig noch mehr große Verlage und Filmstudios „mutig sind“.






