Ideen, Konzeptionen und derlei Details einmal beiseite, war diese Frau in der Schotte für die Erzeugung von erhaltender und treibender Energie zuständig. Eine Energie, die sich im Binnenverkehr überwiegend als mütterliche Fürsorge zeigte und nach außen hin als ein in der Form hemmungslos, schamlos  charmierendes, in der Sache hingegen knochenhartes Eintreiben von Geld.

Bundesverdienstkreuz stärkt Image von „Die Schotte“

Sie betrieb mit einem camouflierenden Lächeln die brutalstmögliche Werbung für ihre Truppe. An ihrem Orden der Bundesrepublik Deutschland, dem Bundesverdienstkreuz, freute sie wohl vor allem, dass er die allerbrutalste Außenwerbung für „Die Schotte“ abgab. Es sei, hatte dieser und jener schon mal gestöhnt, ein Kreuz mit dieser Frau. Auch deshalb trug sie das Bundesverdienstkreuz.

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„Die Schotte“ bedarf zu ihrer Legitimation, zu ihrer Lobrede keiner wohlwollenden Jovialität. Wie jedes
Theater, so wollen sie, nicht allein um ihrer sozialen Funktion willen, gewürdigt sein, auch der Schönheit wegen. Und eben diese Balance eines soziokulturellen und eines künstlerischen Wirkens aus eigenem Recht ist die Besonderheit dieser Truppe. Ohne diese ästhetische Qualität, ohne diese ins Öffentliche ragenden Spitzen der Pyramiden fehlte auch der übrigen, leiseren Arbeit die Stimulans, ohne diese Aufführungen entwickelten sich solche Gruppen nicht zu Kommunikationszentren, die ihre jeweils eigene Szene im Stadtraum ausbilden.

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Für eine solche Truppe, die einen wollen Theater trainieren, die anderen Freizeit gestalten, Stücke zu finden, die den einen Rollen bieten und den anderen Mitspielmöglichkeiten, ist nicht einfach. Ich habe hier über die Jahre nicht wenige Aufführungen gesehen, die ihren semiprofessionellen Status als wirkendes, wirkungsvolles Theater über lange Vorstellungsserien hinweg mühelos behaupten konnten. In Weimar leistet das „Stellwerk“ eine ähnliche Arbeit, in Mühlhausen das „3k“.

Renate Lichnok prägt die soziokulturelle Arbeit in Erfurt entscheidend

Und, ohne ein gewisses Maß an der konstruktiven Verrücktheit der Leiter, der Ideengeber,  ginge das gar nicht. Renate Lichnok verfügte über diese widerständige Besessenheit, die einer benötigt, der am Vormittag Fördermittel diskutiert, am Nachmittag Wischlappen organisiert und am Abend auf der Probe sitzt. Ohne diese Frau gäbe es dieses Theater nicht, ohne sie wäre das Pioniertheater auf dem Erfurter Petersberg, wie vieles andere auch,  in den Wendewirren spurlos verschwunden.
Renate Lichnok wurde gleichsam zu einer Pionierin der soziokulturellen Arbeit in Erfurt. Karl-Heinz Krause hat einen prägenden Anteil daran durch seine besondere Sensibilität in der Arbeit mit einer solchen Truppe. Aus der im Übrigen Leute hervorgingen, die auf verschiedenen Feldern und Bühnen zum Kulturleben der Stadt gehören, Steffen Wilhelm etwa oder Martin Schink, Susanne Besser oder Matthias Thieme. 

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Die Bedeutung eines Menschen bemisst sich auch an der Nachhaltigkeit seiner Arbeit, an dem, was bleibt von ihm, nach ihm. So wurde Renate Lichnok, die in der vergangenen Woche starb, eine der prägenden Persönlichkeiten dieser Stadt.