„Sie lässt mich nachts nicht mehr schlafen“, wird Alexander Auler als junger Meininger Herzog Georg II. ab Dezember singen. Und davon, dass sein „Herz ihr allein gehört“. Das zielt nicht auf Schauspielerin Ellen Franz, die Georgs Geliebte wurde, später seine dritte Frau sowie eine dramaturgisch prägende Kraft für die legendären „Meininger“ des Theaterherzogs. Jenes Liebeslied soll vielmehr eine Ode an die Kunst sein: in der Uraufführung eines als „Theatermachermusical“ bezeichneten Auftragswerkes im Jahr von Georgs 200. Geburtstag.

Es heißt wie ein Song daraus, den Sophie Berner als Ellen Franz bei der Spielplanpräsentation jetzt schon mal intonierte: „Der Herzog & Ich“. Dafür wurde Filmkomponist Christoph Zirngibl verpflichtet, Titus Hoffmann schrieb Buch und Liedtexte. Er habe „lange gezögert“, so Intendant Jens Neundorff von Enzberg auf Nachfrage, den Stoff, der regionale und europäische Theatergeschichte in sich birgt, dem populären Genre Musical zu übereignen.
Schnittkes Faust-Oper: „Das Stück muss aufgeführt werden“
Dann habe man sich im Team aber doch dafür entschieden, ihn derart ins Heute zu transformieren und so einem breiten Publikum auch Ellen Franz bekannt zu machen. Aus deren Perspektive wird die Geschichte erzählt werden, die an Georgs Grab 1918 beginnt. Der Intendant erwartet, „dass das über Jahre hinweg laufen wird“.
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Neundorff verantwortet das Musiktheater selbst und spricht vom „Wahnsinnsbogen“, den sechs Neuproduktionen in der Spielzeit 2026/27 spannen. Der beginnt „atonal, trotzdem luzide“. Der zuständige GMD, Killian Farrell, sagt dazu zweierlei: „Das Stück ist unaufführbar.“ Und: „Das Stück muss aufgeführt werden.“
Opernstar als Sänger und Regisseur in Meiningen
Alfred Schnittkes Oper zur „Historia von D. Johann Fausten“, 1995 in Hamburg entstanden, wird jetzt erstmals, von einem kleinen freien Wiener Theater einmal abgesehen, nachgespielt. Die Hauptpartien sind in einer Breite von drei Oktaven notiert, so Farrell. „Das ist eigentlich nicht möglich.“ Er habe da ein paar Fragen an Schnittkes Witwe.

Für Mephistopheles ist ein Countertenor vorgesehen. Einen solchen verlangt auch Händels „Flavio“, der in diesem Fall zudem am Regiepult sitzt. Meiningen „mietet“, so Neundorff, mit eigener Besetzung, eine Inszenierung von Max Emanuel Cenčić für das Festival Bayreuth Baroque. Cenčić singt in Meiningen drei Vorstellungen selbst.
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Killian Farrell verabschiedet sich mit viel Beethoven - und mit Mahler
Der renommierte Regisseur Andreas Kriegenburg, den Meiningen jetzt dreimal fürs Schauspiel verpflichten konnte – mit Ibsens „Wildente“ feiert er Mitte Mai Premiere –, wechselt hier nächste Saison in die Oper, um „Henry VIII.“ von Camille Saint-Saëns zu inszenieren. Außerdem kommen Mozarts „Titus“ und Verdis „Falstaff“ neu hinzu.
Ich habe jetzt ein Jahr lang getrauert und werde das nächste Jahr auch noch trauern.
Intendant Jens Neundorff von Enzberg, zum angekündigten Abschied von GMD Killian Farrell
Es wird Farrells vierte und letzte Spielzeit in Meiningen werden, bevor er als GMD nach Nürnberg geht. Sein hiesiges Konzertprogramm ist inzwischen zu 97 Prozent ausgelastet. Den Abo-Verkauf für Sinfoniekonzerte hat man inzwischen zugunsten des Freiverkaufs gestoppt. Mit Blick auf Beethovens 200. Todestag im nächsten Jahr dirigiert er hier unter anderem noch dessen Sechste sowie, im Neujahrskonzert, die Neunte; in einem Sonderkonzert mit dem Pianisten Gerhard Oppitz zudem das vierte und fünfte Klavierkonzert an einem Abend. Großen Abschied aus Meiningen aber wird er mit Mahlers Zweiter nehmen, wozu Sopran, Alt und Chor gehören.
Letzte Rolle als Ensemblemitglied nach 42 Jahren
Abschied nimmt auch Schauspielchef Frank Behnke, der zum Ende seiner sechsten und letzten Meininger Saison Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ inszeniert – Michael Jeske soll darin als Zauberkönig nach dann 42 Jahren seine letzte Rolle als Ensemblemitglied spielen. Zuvor führt Behnke bei „The Legend of Georgia McBride“ von Matthew López Regie, worin ein erfolgloser Elvis-Imitator zur Dragqueen aufsteigt.
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Regisseurin Susanne Lietzow, die vor bald dreißig Jahren am DNT Weimar Mephisto im „Urfaust“ spielte, bevor sie das Stück 2005 in Naumburg inszenierte, widmet sich in Meiningen Klaus Manns Roman „Mephisto“ über Theater in der NS-Zeit. Regisseur Ronny Jakubaschk und Autor Lothar Kittstein befassen sich derweil für die Uraufführung „Unter Hammer und Sichel“ mit Opfern der SED-Diktatur und lassen Stimmen regionaler Zeitzeugen auftauchen.
Hildegard Knef und ein Comic von Ralf König
Außerdem stehen Shakespeares „Romeo und Julia“, Roland Schimmelpfennigs 2025 in Worms uraufgeführtes „Lied der Nibelungen“ und ein Hildegard-Knef-Abend mit Anja Lenßen neu auf dem Programm. Meiningens Puppentheater feiert indes sein vierzigjähriges Bestehen, unter anderem mit einer Festwoche Anfang November sowie einer Ensembleproduktion im März, die „Prototyp“ nach Ralf Königs Comic auf die Bühne bringt.
Mehr zum Programm unter www.staatstheater-meiningen.de.





