Ein überraschend auf dem Kunstmarkt wieder aufgetauchtes Blatt von Ernst Ludwig Kirchner kehrt nach Jena zurück. Dieses Werk aus der Botho-Graef-Stiftung, die Kirchner 1918 der Stadt schenkte, konnte mit Unterstützung dreier Stiftungen für die Kunstsammlung Jena erworben werden, wie der Leiter der Kunstsammlung, Erik Stephan, mitteilte. Damit gelangt es genau an jenen Ort zurück, für den der Expressionist die großzügige Gabe von 260 grafischen Arbeiten vorgesehen hatte – eine Hommage an seinen Freund, den Kunsthistoriker Botho Graef (1857–1917).
Lesen Sie auch
Kirchner und Jena waren durch Graef eng verbunden. Der seit 1904 in Jena lehrende Professor förderte den jungen Künstler und setzte sich für moderne Kunst ein. Nach Graefs Tod widmete Kirchner die Stiftung dem Freund, dessen Lebenspartner Hugo Biallowons (1879–1916) auf der Rückseite des Doppelporträts verewigt ist.
Verlust und Rückkehr
Fast alle Werke der legendären Stiftung gingen 1937 in der NS-Aktion „Entartete Kunst“ verloren. Die Rückkehr dieses herausragenden Zeugnisses ist daher ein Meilenstein: Es bereichert die Sammlung nicht nur kunsthistorisch, sondern erinnert an Kirchners persönliche Bindung zu Graef, Biallowons und dem Kreis moderner Freunde in Jena.
Die offizielle Vorstellung findet am 15. April 2026, um 13 Uhr in der Kunstsammlung Jena im Beisein der Förderer und des vermittelnden Kunsthändlers statt.



