Der 3. Dezember 1994, der Sonnabend vor dem 1. Advent, war für die TLZ ein besonderer Tag: An diesem Datum startete eine der langlebigsten und erfolgreichsten Serien dieser Zeitung. Häuser sollten in den folgenden Jahren Wochenende für Wochenende ihre Geschichte erzählen und so die Stadtgeschichte lebendig machen. „Villen in Weimar“ hieß die Serie und sie war so erfolgreich, dass sie in den kommenden Jahren auf weitere Städte des TLZ-Verbreitungsgebietes ausgedehnt wurde. TLZ-Redakteurin Christiane Weber nahm sich in Weimar Woche für Woche eine der alten historischen Stadtvillen vor, kramte in Archiven, sprach mit jetzigen und früheren Hausbewohnern und zeichnete so ein Bild des Gebäudes und seiner Bewohner im Laufe vieler Jahrzehnte, oft Jahrhunderte, nach. Und viele weitere Kolleginnen und Kollegen folgten im ganzen Land diesem Beispiel.

Leserschaft entdeckt die verborgenen Geschichten der Villen

„Oft weist kein Hinweisschild, keine Gedenktafel an den vielen stattlichen Bürgerhäusern und Villen in Weimar auf ihre Geschichte hin – und auf die Menschen, die dort lebten“, heißt es zum Auftakt auf der Titelseite der TLZ. Bei ihren Recherchen förderten Autorinnen und Autoren auch in Jena, Gera, Erfurt, Gotha, Eisenach und Mühlhausen Vergessenes ans Tageslicht, erweckten alte Häuser zum Leben. Und das Besondere: Auch eher unauffällige Gebäude erwiesen sich bei der Recherche als nahezu unerschöpfliche Fundgrube. Die TLZ-Serie beleuchtete Architektur gewordene Stadtgeschichte.

Villen in Weimar
TLZ-Chefredakteur Hans Hoffmeister mit TLZ-Redakteurin Christiane Weber, die für „Villen in Weimar" recherchierte. Mehrere Bücher entstanden dank der Wochenend-Serie in ganz Thüringen.© Peter Michaelis / TLZ-Archiv | Peter Michaelis / Archiv

Die Serie war so erfolgreich, dass immer neue Hinweise eingingen aus der Leserschaft nach dem Motto: Auch wir haben mit unserem Haus eine spannende Geschichte zu erzählen. Ebenso rasch kam die Frage auf, ob man diese Geschichten, die jeweils in den Wochenendausgaben erschienen, in Büchern bündeln sollte. In den folgenden Jahren gab es fünf immer reich bebilderte und gut ausgestattete Bücher über Villen in Weimar, vier über Villen in Erfurt, jeweils zwei über Eisenach und Gotha und jeweils ein Buch über Gera, das Weimarer Land sowie Jena und Mühlhausen.

Lyonel Feininger zieht 1919 in die Villa Gutenbergstraße 16

Die erste Weimarer Folge beschäftigte sich mit der Villa in der Gutenbergstraße 16 und erinnerte an ihren prominentesten Bewohner, den Maler Lyonel Feininger. „Dass wir dieses Haus bekommen, ist mir wie ein Traum“, zitiert Christiane Weber aus einem bis dato unveröffentlichten Brief Feiningers an seine Frau Julia aus dem Jahr 1919. Noch im August desselben Jahres zog Feininger dort ein. Die Familie bewohnte mit ihren drei Söhnen Andreas, Laurence und Lux vier Zimmer im ersten und vier im zweiten Geschoss. Zur Baugeschichte schwärmt Christiane Weber von einem „stattlichen Gebäude mit seiner für das Baujahr 1900 typischen Synthese von historisierendem Stilzitat (barocke Kartusche am Erker) und Landhausarchitektur“. Und weiter: „Wer die Balkons und den Garten betritt, dem scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.“

Villen in Weimar und ganz Thüringen
Ministerpräsident Bernhard Vogel bei der Präsentation eines der TLZ-Villenbücher.  © TLZ | Peter Michaelis / Archiv

Und in vielen Beiträgen wurde gewürdigt, dass sich seit 1990 die Eigentümer für ihre Bauschätze auf ganz neue und verdienstvolle Weise einsetzen konnten.

Villen in Gotha
Das ist der Titel eines der Gothaer Bände der Reihe „Villen in ...", die für die TLZ so typisch war in den ersten Jahren nach 1989/90. Die prächtigen Bücher aus dem Rhino-Verlag boten Einblicke in traditionsreiche und geschichtsträchtige Privathäuser von Gera bis Eisenach.© Peter Michaelis / TLZ-Archiv | Peter Michaelis / Archiv