Ohne die Kartoffel wäre an das thüringische Nationalgericht, die Klöße, nicht zu denken. Wer aber meint, dass die knollige Erdfrucht hierzulande schon lange bekannt ist, irrt.

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Die Thüringer entdeckten ihre Liebe zu den „Tartuffeln“, auch „Erdäpfel“ und „Erdbirnen“ genannt, im Vergleich zu anderen Regionen im deutschen Raum erst relativ spät. Zunächst kamen vor allem Wild- und Nutztiere in den Genuss der Knolle. Auch einen großflächigen Anbau gab es damals nicht. Eher wurde die „Tartuffel“ zunächst als Gartenfrucht auf kleiner Fläche kultiviert. Zu groß waren die Vorbehalte der Bauern gegenüber der neuen Feldfrucht.

Die früheste Erwähnung von „Erdäpfeln“ findet sich 1715 in einem Erbregister für ein Rittergut bei Hohenleuben, südlich von Weida. Bemerkenswert ist dabei, dass die Knolle hier bereits eine Feldfrucht war, die von Frönern bearbeitet und geerntet wurde. Auch in der weiteren Umgebung wurde in den folgenden Jahren Kartoffeln angebaut. Sehr wahrscheinlich kam die Knolle aus Oberfranken und dem Vogtland in die Gegend, da sie dort bereits Mitte beziehungsweise Ende des 17. Jahrhunderts nachweisbar ist. Außerdem wies die Gegend um Hohenleuben weniger fruchtbare Böden auf, als etwa im Thüringer Becken. In Erfurt waren die Kartoffeln daher vor 1742 gänzlich unbekannt. Im Herzogtum Sachsen-Weimar erkannte man allmählich den Wert der Feldfrucht. 1739 ordnete Herzog Ernst August an, dass eine „gewisse Menge“ an „Erdtufeln“ auf all seinen 13 Kammergütern im folgenden Jahr angebaut werden sollte, um damit Wildschweine „anzukirren“, sie also an bestimmte Futterstellen zu gewöhnen, um sie zu bejagen. Auf dem Kammergut in Oberweimar wurden zudem Saatkartoffeln erzeugt.

Den wichtigsten Schritt hin zum Nahrungsmittel ging Herzog Ernst August II. von Sachsen-Weimar-Eisenach. Er wollte das „Erbauen der Tartuffeln“ in seinem Land „gewöhnlich“ machen und lobte 1757 sogar eine Prämie von bis zu 40 Reichstalern für jenes Landeskind aus, das die meisten Knollen erntete. Zeitgleich begann eine Aufklärungskampagne: In den „Wöchentlichen Weimarischen Anzeigen“ wurde im selben Jahr sowohl eine Anbau-, als auch eine Art Gebrauchsanweisung für Kartoffeln publiziert.

Parallel begann auch in anderen Gegenden der Anbau der Feldfrucht. Ein in diesem Zusammenhang bemerkenswertes Dokument ist die Rudolstädter Denkschrift über den Kartoffelanbau, die bereits vor 1757 erschien. Sie diente ebenfalls der Aufklärung der Bauern, damit diese in der Knolle nicht das bloße Tierfutter, sondern auch ein Nahrungsmittel für den Menschen sahen. Der Siegeszug der Kartoffel war damit nicht mehr aufzuhalten, denn bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt sie im Thüringer Raum als „gewöhnlich“. Damals gab es sogar Zeitgenossen, die sie mit dem Manna der Israeliten verglichen und Kartoffeln dementsprechend als „Manna Thuringorum“ bezeichneten, da sich aus ihnen die delikaten Klöße herstellen ließen, die sich noch immer großer Beliebtheit erfreuen.