Die aktuelle Rohstoffkrise beweist, wie stark Deutschland noch immer von Öl- und Gasimporten abhängig ist. In diesem Zusammenhang dürfte kaum bekannt sein, dass es auch in Thüringen einstmals Rohöl- und Erdgasförderungen gab.

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In Volkenroda wurde seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts Kali abgebaut, wenngleich die Bergbautradition des Ortes bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Am 2. Juni 1930 ereignete sich in knapp 1000 Metern Tiefe eine schwere Schlagwetterexplosion. Während sich die Bergmänner vor Ort retten konnten, wurde ein Untersuchungstrupp (bestehend aus drei Mann) zunächst vermisst. Als sich unmittelbar nach dem Unglück zwei weitere Explosionen ereigneten und Teile der Unglücksstelle in Brand gerieten, wurde die Suchaktion nach den Vermissten eingestellt. Die Vermissten konnten später nurmehr tot geborgen werden.

Wie sich herausstellte, waren Erdölgase für die Explosionen verantwortlich, wobei das Öl nun in einem kleinen Fluss in den Schacht sickerte. Anschließend begannen systematische Bohrungen, da nun klar war, dass es sich hierbei wohl um ein größeres Vorkommen des begehrten Rohstoffs handelte. Noch 1930 folgte die Förderung von Rohöl. Das Land Thüringen sicherte sich bereits Mitte Juli 1930 per Notgesetz die Abbau- und Förderrechte. Dabei übertrug die Regierung diese Rechte zwei Firmen, der Wintershall AG und der Burbach Kaliwerke AG, die für jede Tonne Rohöl eine festgelegte Geldsumme dem thüringischen Staat zu zahlen hatten. Erstere gründete später die Thüringer Erdöl AG, um auch an weiteren Standorten nach dem schwarzen Gold zu suchen.

Der zufällige Ölfund inmitten der sich immer stärker auswirkenden Wirtschaftskrise, wirkte elektrisierend, da die Abbaufirmen damals noch von einer sehr großen Lagerstätte ausgingen und auf eine entsprechende wirtschaftliche Konsolidierung hofften. In der Tat konnten bis Ende 1931 immerhin 51,5 Tonnen Rohöl in Volkenroda gefördert und anschließend zum Großteil in Leuna zu Benzin raffiniert werden. Dies entsprach einem Viertel des 1931 in Deutschland geförderten Öls. Doch bereits ein Jahr später ging die Fördermenge mit nur noch 15,8 Tonnen drastisch zurück. Ein Grund war unter anderem ein 50-tägiger Grubenbrand. Weitere, wirtschaftlich ausbeutbare Ölvorkommen konnten bis 1937 in Thüringen nicht gefunden werden und auch das Vorkommen bei Volkenroda erwies sich als wesentlich kleiner, als erhofft. Die Thüringer Erdöl AG stellte daher ihre Aktivitäten vor Ort gänzlich ein.

Eine Ausnahme bildet hierbei allerdings die Erdgasförderung, die bis 2024 im Freistaat betrieben wurde. Bereits seit 1932 gewann man den Rohstoff auf dem Forstberg bei Mühlhausen, weitere Lagerstätten fanden sich im Thüringer Becken. Allerdings ging die Fördermenge zuletzt stark zurück, da 2024 mit etwas mehr als 9,6 Millionen Kubikmetern nur noch 0,2 Prozent des deutschen Erdgases aus Thüringen kamen. Der Betreiber Neptun Energy hat angekündigt, bis Ende 2027 elf Betriebsplätze im Freistaat, deren Förderung endete, vollständig zurückzubauen.