Ist Ihnen eine Weimarerin bekannt, die deutsche Kaiserin wurde?
Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach ist eine gut erforschte Frau, wenngleich sie in ihrer Heimat vielleicht nicht ganz so sehr im Fokus der Erinnerung steht. Die Kindheit, der am 30. September 1811 in der Residenzstadt geborenen Adeligen, verlief harmonisch.

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Ihre Eltern, der spätere Großherzog Carl Friedrich und seine Frau Maria Pawlowna, ließen sie im liberalen Geist des Weimarer Hofes erziehen. Schon in ihren frühen Jahren hatte Augusta Kontakt zu zahlreichen Geistesgrößen und Künstlern jener Zeit, etwa der Malerin Louise Seidler und nicht zuletzt zu Goethe. Letzter organisierte den Unterricht für die spätere Kaiserin und ihre ältere Schwester.
Die Forschung geht mittlerweile davon aus, dass die liberale Erziehung sowohl Augustas politische Haltung, als auch ihren Sinn für Kunst und Kultur prägte. Ein erster entscheidender Schritt in ihrem Leben bestand in der Hochzeit mit dem preußischen Prinzen Wilhelm. Eigentlich wollte der spätere erste deutsche Kaiser seine Cousine heiraten, doch wurde diese Ehe als nicht standesgemäß abgelehnt. Er vermählte sich Mitte Juni 1829 mit der 14 Jahre jüngeren Augusta, wobei die Verbindung nicht frei von Spannungen war. Die feinsinnige und gebildete Augusta fand am preußischen Hof nicht jene kulturelle Offenheit wieder, die sie in ihrem Elternhaus kennengelernt hatte. Auch lagen die Interessen ihres Mannes konträr zu ihren. Trotz dieser Hindernisse bildete sich über die Zeit ein Vertrauensverhältnis. Mitte Oktober 1831 wurde Sohn Friedrich Wilhelm geboren (der spätere „99-Tage-Kaiser“), den sie in einem ähnlich liberalen Geist erziehen ließ, wie sie selbst erzogen worden war. Erst sieben Jahre später kam das zweite und letzte Kind, Tochter Luise, zur Welt.
Über die Jahre begann Augusta, politisch Einfluss auf ihren Mann auszuüben, der ab 1840 als preußischer Thronfolger bereitstand, die Krone des kranken Königs zu übernehmen. Unter anderem verfasste die Prinzessin politische Denkschriften und trug diese auch ihrem Mann vor, der sie allerdings mitunter scherzhaft als „Oppositions-Teufelchen“ bezeichnete, weshalb Augusta nicht selten an dessen intellektuellem Urteilsvermögen zweifelte.
Bereits während der Revolution 1848 lernte Augusta Otto von Bismarck kennen und stand seit jenem Zeitpunkt in scharfer Opposition zu ihm. Ihrer Meinung nach würde Deutschland, nach britischem Vorbild, eher eine konstitutionelle Monarchie gebühren, als die Bismarck’sche „Blut und Eisen“-Politik. Daher sprach sich Augusta auch entschieden gegen Bismarcks Ernennung zum Reichskanzler aus, vergebens. Während der Einigungskriege legte sie eine distanzierte Haltung zum Militär an den Tag.
Nach der Kaiserproklamation ihres Mannes in Versailles wollte Augusta selbst auf den Titel einer „deutschen Kaiserin“ verzichten, doch wurde darauf keine Rücksicht genommen. Gesundheitliche Probleme ab dem Beginn der 1880er Jahre zwangen die Kaiserin, kürzer zu treten. 1888 starb ihr Mann und wenig später ihr Sohn. Sie erlebte noch die Inthronisation ihres Enkels Wilhelm, ehe sie am 7. Januar 1890 im Alter von 78 Jahren in Berlin starb.




